Was lesen ZEIT-Redakteure in den Ferien? Die kleine, spielerische Umfrage zeigt: Weniger, als sie lesen wollen. Manches Buch kommt ungenutzt zurück, allen gegenteiligen Wünschen zum Trotz. Ein Trost für all jene, die den „Butt“ nun schon auf die dritte Reise mitnehmen. Und im nächsten Sommer wird solcher Trost wohl auch für jene 722 Seiten gelten, die derzeit im ZEIT-Geschmack als „Gold und Eisen“ hoch gehandelt werden.

Rudolf Walter Leonhardt: Der Lenz ist da

Ich würde so gern wieder lesen „Tristram Shandy“ und „August Weltumsegler“ und „Felix Krull“. Ich habe einen Einwand gegen meinen Beruf: Man muß so viel lesen, daß man nur ganz selten sich aussuchen kann, was man nicht lesen muß, sondern lesen will. Zur Sache: Während meines Urlaubs werde ich, deo volente, lesen: den neuen Roman meines Freundes Siegfried Lenz, über den ich auch von Literaturkennern, die sich an der „Deutschstunde“ nicht erwärmen konnten, so Enthusiastisches gehört habe. Ja und dazu dann, langweiligerweise, Fisher’s „A History of Europe“. Needless to say, daß ich das selber gar nicht langweilig finde. Europa ist nun einmal mein Thema.

Rolf Michaelis: Gegen den Wind

Sommerurlaub ist ein guter Kritiker: Bücher, die sich gegen Wind, Sand und Sterne (und das Bett) behaupten, taugen auch im Alltag. Wenige Wochen vor der Buchmesse verreist, wer aus Gründen des Berufs lesen muß (darf?), mit prallem Koffer. Vor allem die Schwarten, die man nur in wochenlangen nächtlichen Lese-Häppchen zu sich nehmen könnte, werden mitgeschleppt, an den Strand, auf die Alm. Bücher, aus denen beim Auspacken kein Sand rieselt, keine Möwenfeder, keine gepreßte Pflanze fällt, lohnen selten häuslicher Pflicht-Lektüre.

Nina Grunenberg; Tauchstation

Für die Ferien brauche ich ein Buch, in dem ich untergehen und mit dem erhebenden Gefühl wieder auftauchen kann, daß Bildung nicht nur wehtun muß. Ich hoffe, diesen Zweck wird dieses Jahr Fritz Sterns Doppelbiographie „Gold und Eisen“ – Bismarck und sein Bankier Bleichröder – erfüllen. Mein Vergnügen sind Bücher des Edel-Thriller-Moralisten Eric Ambler. Sein neuester Titel „Bitte keine Rosen mehr“ gehört ebenfalls mit zur Ferienlektüre. Außerdem werde ich noch so viele englische und amerikanische Krimis – Idealtyp: Emma Lathen – kaufen, wie ich in Hamburg finden kann.