Berlin

In Berlin wandelt jemand – kaum beachtet – auf Althaus-König Kaußens Spuren: Der Hausbesitzer und gelernte Schriftsetzer Gustav Sommer, 34. Jahre alt.

Rund fünf Jahre benötigte Günter Kaußen, um bundesweit die ersten 50 Häuser sein eigen nennen zu können. Gegen Ende des Jahres 1973 begann Sommer, West-Berliner Altbauten aufzukaufen und zu modernisieren. Heute, nach ebenfalls fünf Jahren, zählt man 40 bis 50 Berliner „Sommer-Häuser“. Und eine Menge verärgerter Meter.

Verglichen mit seinem großen Bruder hatte Sommer allerdings eine bessere Startposition: Seine Frau Erika brachte 1969 Kapital in die Ehe. Gustav Sommer wurde alleiniger Kommanditist der „Erika Sommer KG“ (Spielautomaten) und Geschäftsführer der „Monte Carlo-“ und „Las Vegas Spielbetriebe GmbH“ zu Berlin. Der Gesamtumsatz der drei Firmen wird auf über 3,5 Millionen Mark jährlich geschätzt.

Finanziell derart gut gepolstert, stieg Sommer ins Immobiliengeschäft ein. Sein Konzept hat sich bis heute-nicht geändert. Ohne öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen, modernisiert er kurz zuvor von ihm gekaufte Häuser stark wertverbessernd. Die Kosten wälzt er nach der Altbaumietenverordnung auf die Mieter ab, indem er die Jahresmiete um 14 Prozent des von ihm investierten Kapitels erhöht. Die Folgen sind 200- bis 300prozentig verteuerte Wohnungen.

Für Gustav Sommer sind Mieter „Arbeitsmittel wie für den Maurer Steine“. Ihre Nöte sind nicht die seinen, verbreitete er, „dafür gibt es die Sozialämter“. Und dem gesprochenen Wort steht die Tat nicht nach. Beispiel: Das Althaus Nr. 77 in der Neuköllner Sonnenallee.

Dort kündigte Sommer im Dezember 1977, einen Monat nach dem Kauf, den Parteien des Hinterhauses an: Ab März wird modernisiert. Im Januar schickte er seinen Umsetzer Bodo Schmidt los. Schmidt versprach den Mietern, falls sie ausziehen würden, angemessene Ersatzwohnungen. Die Mieter unterschrieben auf einem Zettel ihre Bereitschaft zum Auszug, nicht aber zur Modernisierung. Eine Durchschrift wurde ihnen nicht ausgehändigt. Dafür fand sich auf dem Original noch der handschriftliche Zusatz ein: „Der Umbau wird gestattet.“ Der fehlte vorm Unterschreiben, wie Mieter an Eides Statt versichern.