/ Von Hans Mommsen

Hitlers Irvings Biographie des Feldmarschalls Erwin Rommel überzeugt durch stilistische Brillanz, fesselnde Darstellung und Präzision im Detail. Sie ist sein am meisten ausgereifter Beitrag zur Geschichte des Dritten Reiches.

Für die Fachhistorie gilt Irving als Außenseiter, und er gefällt sich in dieser Rolle. Auf der Aschaffenburger Tagung zur Hitler-Welle warf er jüngst der westdeutschen Forschung – nicht ohne überzogene Polemik – vor, sie mache sich zu wenig Mühe mit der Auswertung unerschlossener Quellen und lasse es an nötiger Quellenkritik fehlen. Ganz unberechtigt ist dies nicht. Die Erforschung des Widerstands gegen das NS-Regime birgt mancherlei Beispiele unkritischer Quellenbehandlung. Zudem ist der Mißstand un-

bestreitbar, daß nur wenige Universitätshistoriker sich der Forschung in dem Maße widmen können, die erforderlich ist für jene umfassende Quellenerschließung und -auswertung, wie sie dies von angelsächsischen Deutschland-Historikern gewohnt sind. Das mag erklären, warum eine Oberprüfung der Rommel von zeitgenössischen Zeugen eingeräumte Rolle im Widerstand nicht hinreichend überprüft worden ist; Irving hat das Verdienst, hier neue Quellen erschlössenund herangezogen zu haben – das Tagebuch des Feldmarschalls, das er an zerstreuten Fundorten aufspürte, dessen Korrespondenz, eine Fülle militärhistorischer Dokumente und wichtige Zeugenaussagen.

War Rommel ein Repräsentant des nationalsozialistisch eingestellten Teils des höheren Offizierkorps? Oder gehörte er zu den potentiellen, möglicherweise aktiven Gegnern des Regimes? Dies ist Irvings zentrale Frage. Die Biographie dieses dem Mittelstand entstammenden, stets in einer gewissen Distanz zur aristokratisch-preußischen Prägung des Generalstabs verharrenden württembergischen Offiziers ist mit innerer Sympathie geschrieben, vermeidet aber jede Heroisierung, die Rommel selber völlig fernlag. Sie vermittelt das Bild eines energischen, karrierebewußten, ehrgeizigen, durch und durch unpolitischen Offiziers, der durch schwäbische Gradlinigkeit, Charakter- und Willensstärke, auch durch ein gewisses Maß an Derbheit, geprägt war und dem im Grenzfall Verschlagenheit und Kriegslist zu Gebote standen.

Rommel, der in den Anfangsjahren des NS-Regimes an den Kriegsschulen in Dresden und Potsdam tätig war, verdankte seine steile Karriere nicht zuletzt des persönlichen Kontaktes zu Hitler, zunächst 1938 als Kommandant im Hauptquartier. Die Ernennung zum Kommandeur der 7. Panzerdivision im Februar 1940 erfolgte gegen den Widerstand des Heerespersonalamts.

Mit Mut zum Risiko