Vor der Wohnung einer 56jährigen Frau aus Erlangen marschiert die Polizei auf. Die Frau öffnet nicht. Deshalb brechen Feuerwehrleute die Tür auf. Die Frau steht im Flur mit einer entsicherten Gaspistole, drückt ab. Es ist nur ein Schreckschuß. Doch jetzt setzen die Polizisten ein Abwehrgas ein. Es kommt zum Handgemenge, ehe die Wohnungsinhaberin überwältigt ist.

Der Grund für das Wildwestspektakel in der Innenstadt: Frau S. lebt mit Hunden. Vor zwei Jahren entfernte die Polizei 39 Tiere aus einer 90 Quadratmeter großen Wohnung; zwei Drittel der Hunde waren so verwahrlost, daß sie getötet werden mußten. Die Stadt erließ ein Hundehaltungsverbot. Doch Frau S. hielt sich nicht daran, sondern zog in ein anderes, ebenfalls ihr gehörendes Haus. Dort lebte sie wieder, mit Hunden, bis sich die Nachbarn über den Lärm und Mieter über den Kot im Treppenhaus beschwerten. 16 Tiere, ungepflegt und mit Bißwunden, wurden von der Polizei ins Tierheim gebracht.

Dem Recht ist genüge getan, die Hunde sind in Pflege, die Nachbarn müssen ihre Nasen nicht mehr rümpfen. Frau S. wird bestraft werden. Doch nach dem Grund ihrer „Tierliebe“ hat niemand gefragt. Eine Frau, mit Geld, aber ohne Verwandte. Unter Nachbarn gilt sie als seltsam; enge Kontakte kommen nicht zustande. So wendet sie ihre Gefühle den Hunden zu, geht mit ihnen um wie mit Kindern. Die Tiere vermehren sich, aber Kinder gibt man nicht weg. Die Schwierigkeiten, die ein Hunderudel mit sich bringt, erkennt sie nicht. Ihre Nachbarn rücken deshalb noch mehr von ihr ab.

Bis es zum Polizeieinsatz kommt. Hunden und Nachbarn ist geholfen, Frau S. nicht. Vermutlich wird sie sich wieder Hunde halten, vermutlich wird wieder die Polizei kommen.

Dieter Schwab