DIE ZEIT

Der zehnte Versuch

Vielleicht war die vierte Weltwirtschaftskonferenz wirklich ein historisches Ereignis. Heute schon steht jedenfalls fest, daß sich das Bonner Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden westlichen Industrieländer von den früheren Gipfelkonferenzen in einem wesentlichen Punkt unterscheidet: Bereits wenige Tage nach Abschluß der Konferenz haben einige der beteiligten Regierungen eine rege Aktivität entfaltet, um die Beschlüsse und Empfehlungen von Bonn in die Tat umzusetzen.

Seifenblasen

Zyperns Präsident Kyprianou muß am Ende seines Griechisch sein – anders läßt sich die bizarre Scharade kaum erklären, die er in der vorigen Woche mit levantinischer Stirn aufgeführt hat.

Vor dem Sturm?

Sechs Monate hat die Koalition aus Sozialisten und Christdemokraten (CDS) in Portugal gehalten, jene "widernatürliche Ehe", wie sie die opponierenden Sozialdemokraten nannten.

Es grollt zwischen den Supermächten

Ob wohl der Gipfel in Bonn die Europäer daheim mit neuer Zuversicht erfüllt hat? Der deutsche Botschafter in Washington meinte nach seiner Rückkehr: "Die Landschaft gleicht jetzt nicht mehr einem Minenfeld, sondern eher einem Garten, in dem jeder die Gräben und auch die Gruben kennt.

"Prost auf das Ende der Einheit"

Peter bezeichnete sich selbst als "vielschichtigen Charakter", weil er meint, das klinge besser als "prinzipienlos". Von Beruf ist er Botaniker, promoviert mit einer Arbeit über den Einfluß bestimmter Chemikalien auf das Wachstum von Nutzpflanzen, und ansonsten mit Leib und Seele Umweltschützer: "Nicht aus Überzeugung, sondern aus Fachwissen.

Zeitspiegel

Verärgert hat der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Reinhold Vöth, auf eine Untersuchung des Sozialpsychologen Horst-Eberhard Richter reagiert.

Der streitbare Graf von Gartow

Die Binsenweisheit, daß wer A sagt, auch B sagen muß, hat im internen Sprachgebrauch der Zentrale der Wiederaufbereiter für Kernbrennstoffe in Hannover eine eigene Interpretation bekommen.

Worte der Woche

"Ich habe keinen Rachefeldzug gegen die Sowjetunion begonnen. Ich weiß; daß wir uns nicht in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion einmischen können.

Widerstand und Menschenrechte

Erstens Widerstand war die Ausnahme, Anpassung die Regel. Man muß nicht zum Widerstand gehört haben, um ein anständiger Deutscher gewesen zu sein.

"Im Bereich der Fabel"?

Alle paar Monate wieder gibt es Gerüchte, daß Gespräche über den Austausch des Kanzleramts-Spions Günter Guillaume und seiner Ehefrau Christel im Gange seien.

Wechsel in der "Kohl-Klause"

Das Abschiedsessen ist schön verabredet, der Nachfolger hat bereits sein Agrément. Am 7. September wird Hans-Jürgen Wischnewski, Staatsminister im Kanzleramt, Michael Kohl zum letzten Male als Ständigen Vertreter der Deutschen Demokratischen Republik empfangen und zu Tisch bitten.

Wolfgang Ebert: Steuerlos

In aller Bescheidenheit möchte ich darauf hinweisen: Ich war schon immer gegen Steuern und gehöre nicht zu jenen lautstarken Mitbürgern, die offenbar erst jetzt ihren Widerwillen gegen Steuern entdeckt haben.

Schlechte Luft und mehr Lärm

Wer für den Bürger etwas erreichen will, muß realisierbare Ziele anstreben und durchsetzen. Die von den Grünen Listen vorgelegten Programme, die sich in allgemeinen Formulierungen erschöpfen und keine konkreten Maßnahmen nennen, gaukeln dem Bürger eine Alternative vor, die es nicht gibt.

Ein anrüchiges Geheimnis

In Franz Kafkas Roman "Der Prozeß" wird der Bankbeamte Josef K. mit einer geheimen Anklage überzogen. Er erfährt nur von ihrer Existenz, aber nichts von ihrem Inhalt.

Front gegen Terroristen

Helmut Schmidt zeigt sich "grimmig entschlossen", den Luftboykott auch durchzusetzen, der seit dem Bonner Weltwirtschaftsgipfel jedem Land droht, das Flugzeugentführer begünstigt.

Spanien: Terror gegen die Demokratie

Die bewaffneten Streitkräfte stehen im Dienst der Verfassung." Als Spaniens Premierminister Adolfo Suárez diesen Satz sagt, legt sich Stille über den Parlamentssaal.

Pluspunkte für die Gemäßigten

Noch nie zuvor in der Geschichte der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) hätten sich so viele afrikanische Staatschefs versammelt wie zum 15.

Frieden ohne Verzeihung

Mit scheinbarer Gelassenheit begaben sich Japaner und Chinesen am vorigen Freitag nach dreijähriger Pause wieder an den Verhandlungstisch, um den längst fälligen Friedens- und Freundschaftsvertrag abzuschließen.

Krach in Jerusalem

Soweit ist es bereits gekommen bei der mühseligen, langwierigen und bisher erfolglosen Friedenssuche im Nahen Osten: Man schimpft, beleidigt einander, bedroht sich wechselseitig.

Echte Hilfe ohne Vorbedingungen?

Keine "kosmetische Übung", sondern harte Verhandlungen um wesentliche Verbesserungen hat der Außenminister Jamaikas, Percival James Patterson, als Sprecher der 53 afrikanischen, karibischen und pazifischen (AKP) Entwicklungsländer der Europäischen Gemeinschaft bei der Eröffnung der Gespräche über die Erneuerung des Lom^-Vertrages angekündigt.

Es kracht in Chiles Junta

Nachfolger Leighs in der Junta wurde der bisherige Gesundheitsminister des Landes, General Fernando Matthei. Der Entschluß, Leigh abzulösen, wurde von den drei anderen Junta-Mitgliedern nach einer offiziellen Erklärung einstimmig und in Abwesenheit Leighs getroffen.

"Vor den Gefahren gewarnt"

Es sind schon, zehn Jahre verflossen, daß die von der ausländischen Reaktion unterstützten konterrevolutionären Kräfte in der Tschechoslowakei den Sozialismus liquidieren wollten.

Der "längste Marsch" der Indianer

Allen Kummer mit dem im wesentlichen an der Ewigkeit orientierten Zeitgefühl wie auch mit dem das Detail gern sich selbst überlassenden Organisationsstil der Indianer schluckten die Behörden tapfer herunter.

Machtwechsel in Bolivien

Der Machtwechsel in Bolivien geht zurück auf den umstrittenen Ausgang der Präsidentschaftswahlen vom 9. Juli. Die Parteienkoalition des früheren Innenministers und Luftwaffenbefehlshabers Pereda, die rechte "Nationale Volksunion", erreichte bei der Stimmauszählung die absolute Mehrheit.

Werbung der dritten Art

Fast wäre auf den Staatsbesuch Jimmy Carters und den Weltwirtschaftsgipfel, in deren Glanz sich Bonn noch immer sonnt, doch ein Schatten gefallen.

"Pol" im Weißen Haus

Carter gab den Rücktritt seines Beraters für Rauschgiftbekämpfung, des "engen Freundes" der Carter-Familie und engagierten Staatsdieners Dr.

"Entlarvend sind die Ausführungen"

Für ein Forschungsprojekt sollte der Student V. als wissenschaftlicher Mitarbeiter für zwei Jahre eingestellt werden. Ihm wird vorgehalten, Mitglied der Liga gegen den Imperialismus zu sein, für eine rote Einheitsliste und für den kommunistischen Studentenverband (KSV) kandidiert zu haben.

Ich heiße Banane

Der kleine Junge blickt aus großen kaffeebraunen Augen auf seine Lehrerin. Er weiß, daß er jetzt etwas sagen muß. Möglichst einen ganzen Satz.

Dem Recht Genüge getan: Hundeleben

Vor der Wohnung einer 56jährigen Frau aus Erlangen marschiert die Polizei auf. Die Frau öffnet nicht. Deshalb brechen Feuerwehrleute die Tür auf.

Harter Geschäftsmann

Rund fünf Jahre benötigte Günter Kaußen, um bundesweit die ersten 50 Häuser sein eigen nennen zu können. Gegen Ende des Jahres 1973 begann Sommer, West-Berliner Altbauten aufzukaufen und zu modernisieren.

Hitlers "Hannibal"

Hitlers Irvings Biographie des Feldmarschalls Erwin Rommel überzeugt durch stilistische Brillanz, fesselnde Darstellung und Präzision im Detail.

Die Feuerwehr tritt ab

Simon Bolívar, einer der großen Führer in den südamerikanischen Befreiungskriegen gegen Spanien, stieß schon vor 150 Jahren den prophetischen Seufzer aus: "Lateinamerika ist unregierbar.

Ein Korb für den Dollar

Carters blockierte Energiepläne und Gerüchte um eine neue Preispolitik der OPEC führen zu! neuen Kurseinbrüchen

Untaugliche Drohgebärden

Seit gut zweitausend Jahren ist das Instrument bekannt: die wirtschaftliche Sanktion als politisches Druckmittel. Dem amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter gelang es jetzt, der langen Geschichte von Embargos (Lieferverboten) und Boykotts (Kaufverboten) ein – je nach Geschmack –, skurriles oder groteskes Kapitelchen anzuhängen: Die sowjetischen Dissidentenprozesse beantwortete er mit der Weigerung, die Lieferung eines der Nachrichtenagentur TASS zugesagten Computers zu genehmigen.

Noch viele Fragen offen

ZEIT: Herr Emminger, in Brüssel haben die Finanzminister der Europäischen Gemeinschaft gestern den Währungsausschuß und den Ausschuß der Zentralbankgouverneure beauftragt, bis zum 18.

Bonner Kulisse

Im Bonner Presse- und Informationsamt der Bundesregierung hat man dem liberalen Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff offenbar ganz bewußt übel mitgespielt.

Nicht auf Kosten der Gerechtigkeit

Der Unmut der Bevölkerung über die seit Jahren steigende Steuerbelastung hat seinen Höhepunkt erreicht. Die seit 1970 begangenen Fehler der Bundesregierung in der Finanz- und Steuerpolitik führten nicht nur zu einer anhaltenden Überbesteuerung der Arbeitnehmer und Unternehmen, sondern auch zu Strukturverschiebungen im gesamten Steuersystem, die das wirtschaftliche Wachstum und die Investitionsfähigkeit der Unternehmen behindern.

Israel: Noch kein zweites Entebbe

Vor einem Dreivierteljahr war es eine sensationelle Meldung: Die Regierung Begin erklärte, daß Israels Wirtschaft, die bis dahin wie in kaum einem anderen Lande außerhalb des Ostblocks staatlich gegängelt worden war, in Zukunft nach den Rezepten des liberalen amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Milton Friedman umgestellt werden sollte.

Nach deutschem Vorbild

Die "Konzertierte Aktion" mag in der Bun-. desrepublik Anhänger verloren haben. In Großbritannien findet sie Bewunderer. Zu ihnen gehören Premierminister James Callaghan und sein Finanzminister Denis Healey.

Börsen-Report: Schock für den Rentenmarkt

Die neuen Schuldscheine des Bundes haben die noch in Anfängen steckende Stabilisierung des Rentenmarktes zunichte gemacht. Immerhin scheint es so, daß sich der Rentenmarkt bei einer Rendite von knapp unter sieben Prozent im zehnjährigen Bereich konsolidieren läßt.

Gespräche am Bankschalter: Ende des Renditedenkens

In den Börsensälen hat sich ein deutlicher Szenenwechsel vollzogen. Während längere Zeit bei der Auswahl zu kaufender Aktien die bei ihnen nachhaltig erzielbare Rendite ausschlaggebend war, ist seit dem Bonner Wirtschaftsgipfel die Wachstumsphantasie kursbeeinflussend geworden.

Firmen und Fakten

Nur durch ein Versehen der Druckerei ist der Prüfungsvermerk des Wirtschaftsprüfers im Geschäftsbericht für 1977 nicht ausgedruckt worden.

ZEIT spart Geld

Unter der Bezeichnung HGA 7 hat die Hamburgische Landesbank – Girozentrale – einen neuen geschlossenen Immobilienfonds aufgelegt, bei dem nach Berechnungen des Instituts die Anleger vor Steuern (Steuersatz 50 Prozent), eine Rendite von 13,6 Prozent zu erwarten haben.

Die roten Kapitalisten von Gorenje

Beispiel: Bei der Neueinstellung von Arbeitskräften werden qualifizierte Facharbeiter bevorzugt behandelt, weil sie eher zur Produktivität beitragen als ungelernte.

Bonanza am Kaninchensee

Mike Babcock gräbt im Solde des Öl-Multis Gulf nach Uran. Er ist Betriebsführer der Grube Rabbit Lake in der kanadischen Provinz Saskatchewan.

Furcht vor Philip Morris

Seit die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank vor Monaten kleinere Aktienpakete ihrer bisherigen Mehrheitsbeteiligungen Erste Kulmbacher Actien-Exportbier-Brauerei (EKU) und Reichelbräu AG abgegeben hat, argwöhnen Branchenbeobachter, der amerikanische Zigarettenkonzern Philip Morris stehe hinter diesen Transaktionen.

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