"Die verkauften Bräute – Türkische Frauen zwischen Kreuzberg und Anatolien", von Andrea Baumgartner-Karabak und Gisela Landsberger. Auf der Rangleiter der Vorurteile und Benachteiligungen nehmen die rund eine Million Türken in der Bundesrepublik und Westberlin den untersten Platz ein; noch eine Sprosse tiefer, mit noch schlechterem sozialen Status stehen nur ihre Frauen. Das vorliegende Buch "soll die Schwierigkeiten und Diskriminierungen der Türkinnen in der Bundesrepublik sichtbar machen – mit dem Ziel, sie zu verändern". Ein wichtiger, längst fälliger Anspruch, denn bislang gibt es nur wenige Veröffentlichungen zur Lebenssituation von "Gastarbeiterinnen". Leider begnügen sich die Autorinnen mit einer allzu oberflächlichen und glatten Betrachtungsweise; zumal der erste Teil über die Lebensbedingungen von Frauen in der ländlichen Türkei, der veranschaulicht wird durch die Tagebuchaufzeichnungen eines vierwöchigen Aufenthalts in einem anatolischen Dorf, zur Darstellung exotischer Ferienwelt mit Blick auf buntgekleidete Frauen gerät. Über die realen Schwierigkeiten türkischer "Gastarbeiterinnen" erfährt man nur etwas in knappen, soziologischen Fallbeschreibungen und im allzu generellen Überblick. Zu wenig also, um dem Anspruch gerecht zu werden; eine Veröffentlichung zum Thema "Arbeitsemigration" von Frauen und deren besondere Probleme steht leider immer noch aus. (ro-aktuell 4268, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek, 1978; 123 S., 4,80 DM.) Manuela Reichart

"Das große Buch vom Leben auf dem Lande", von John Seymour. Der dazugehörige Untertitel gibt einen weiteren Hinweis, was geboten wird: "Ein praktisches Handbuch für Realisten und Träumer." Doch sollte man bei der Lektüre dieser großformatigen Neuerscheinung ausnahmsweise mit der letzten Textseite beginnen, dort heißt es nämlich etwas nüchterner über die im Buch ausführlich beschriebene Selbstversorgung im Grünen, "daß diese Lebensweise harte Arbeit bedeutet, und daß sie für intellektuelle Träumer, die in einer idealisierten Vergangenheit schwelgen, bestimmt nicht das Geeignete ist". John Seymour – einst Agrarwissenschaftler, heute Farmer mit 62 Morgen Land – liefert mit diesem reichlich bebilderten Nachschlagewerk sozusagen den praktischen Teil zum 1977 veröffentlichten Rowohlt-Paperback "Die Rückkehr zum menschlichen Maß – Alternativen für Wirtschaft und Technik". Was sein Landsmann E. F. Schumacher in diesem Taschenbuch verkündete und eher theoretisch abhandelte, etwa den umweltbewußten Spruch "Klein ist schön!" oder die Grundsätze einer "sanften Technik", das erklärt nun Seymour stadtmüden Naturfreunden: wie Feld- und Gartenfrüchte angebaut werden, wie man Haustiere hält und schlachtet. Die nötige Energie hierzu soll nach Möglichkeit von natürlichen Quellen kommen – von Sonne, Wind und Wasser. Selbst für den handwerklichen Bereich finden sich nützliche Ratschläge in dieser betont umweltfreundlichen Schrift, deren Verfasser realistisch genug schreibt: "Selbstversorgung ist nicht nur für jene, die fünf Morgen eigenes Land haben. Wer in seiner Stadtwohnung seine Schuhe zu reparieren lernt, wird bis zu einem gewissen Grad auch Selbstversorger (Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1978; 256 S., 38,– DM.)

Werner Hornung