Kommt es nun doch wieder zu einer „internen Lösung“ bei der Besetzung des Chef-Stuhls der Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB) in Ottobrunn bei München? Zwar dürfte der Wunschkandidat auch des neuen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Anton Ernstberger, der Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Industrie AG, der 47jährige Wolfgang Schaefers sein. Schaefers, der seit einigen Jahren den Gesellschafter Thyssen im MBB-Aufsichtsrat vertritt, würde in Ottobrunn auf breite Zustimmung stoßen. Aber Thyssen-Konzernchef Dieter Spethmann will, so heißt es, Schaefers „nicht freigeben“.

Im Gespräch war in den letzten Wochen auch der Dornier-Manager Bernhard Schmidt. Als Favorit scheint sich aber nun der Leiter des MBB-Unternehmensbereichs Flugzeuge, Professor Gero Madelung, 49, in den Vordergrund zu schieben. Als Manager des internationalen Kampfflugzeug-Projekts MRCA-Tornado hat er sich großes Ansehen erworben – nicht zuletzt bei den Engländern, um deren Mitwirkung beim „kleinen Airbus“ B-10 gegenwärtig gerungen wird. Noch ist das Rennen offen. Nur eines darf als sicher gelten: Es soll wieder ein Techniker an die MBB-Spitze treten.

Wird das Volk der Dichter und Denker zum Volk von Fernsehkonsumenten Mitnichten, wie das Allensbacher Institut für Demoskopie soeben ermittelt hat. Zwar verbrachte der Durchschnittsdeutsche über 16 Jahre im vergangenen Jahr genau elf Stunden 31 Minuten pro Woche vor dem Bildschirm, aber 1973 waren es immerhin noch zwölf Stunden 22 Minuten. Ein Minus von mehr als sieben Prozent. Ein zeitliches Plus von über 14 Prozent verbuchte hingegen der Schallplattenkonsum, eine Stunde 52 Minuten in der Woche lauschte die erwachsene Bundesbevölkerung letztes Jahr den Tönen von Horowitz und Heino, Bach und Bee Gees. Gewonnen hat auch das Buch, dem 1977 pro Woche drei Stunden 22 Minuten gewidmet wurden, knapp sechs Prozent mehr als vor vier Jahren. Aber knapp ein Drittel der Bevölkerung – immerhin 14 Millionen – hat letztes Jahr nicht einmal ein Buch zur Hand genommen.

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Einen Kurs von 494,8 Prozent hat der Iran für die nominell 175,07 Millionen Mark bezahlt, mit denen er jetzt am Stammkapital der Fried. Krupp GmbH, Essen, beteiligt ist. Am Montag dieser Woche wurde die letzte Einzahlung auf die Kapitalerhöhung geleistet – mit ihr stieg der Anteil des Iran von 16,9 auf den Endstand von 25,01 Prozent. Die Perser zahlten dafür insgesamt 866 Millionen Mark. Einschließlich der Beteiligungen an der Fried. Krupp Hüttenwerke AG (25 Prozent) und an zwei brasilianischen Betrieben des Krupp-Konzerns (je 40 Prozent) legten sie nahezu 1,5 Milliarden Mark auf den Tisch. Die Kruppsche Konzernkasse strotzt nun von Geld.

Vergleichsweise bescheiden fiel die „Vermittlungsprovision“ aus: Der Krupp-Aufsichtsratsvorsitzende Berthold Beitz, der das Geschäft mit den Perser-Schah einfädelte, bekommt für seine Krupp-Stiftung, die jetzt noch 74,99 Prozent des Kapitals hält, ganze 16,6 Millionen Mark. Das nämlich bleibt nach Abzug des Iran-Anteils von der für 1977 ausgeschütteten Krupp-Dividende in Höhe von zwanzig Millionen Mark übrig.

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