Beim Zeus – was würden die olympischen Götter machen ohne diese tüchtigen Deutschen? Nein, der Kiesl läßt sie nicht verkommen. Die bloße Frage machte so viel Wind, daß sich auf dem Oberwiesenfeld das Zeltdach blähte: Olympische Spiele wieder in München?

Zeus behüte! Noch ist alles offen. Bis zum 21. August haben die Leute in Los Angeles eine letzte Frist, sich zu entscheiden, ob sie die Spiele 1984 nun wollen oder nicht. Ihr Bürgermeister Tom Bradley, des Disputes um die finanzielle Verantwortung müde, riet ihnen, lieber nicht zu wollen. Und das ist vielleicht die einzige wahrhaft olympische Idee in dieser Angelegenheit.

Weniger angetan sind wir von der Idee deutscher Bürgermeister, olympisch beflissen in die Bresche zu springen. Gewiß, der Erich Kiesl, der auf des Hansjochen Vogels Schwingen quasi schon abgehoben hatte, hat inzwischen seinen Flügelschlag geziemend reduziert und das Münchener Interesse auf den Fall beschränkt, daß wirklich keiner sonst die Spiele will. Doch wie sie da in der letzten Woche ihre selbstlose Bereitschaft bekundeten, Olympia 1984 wieder an die Isar oder an die Ruhr zu holen, das sah doch sehr nach einer vorlauten Demonstration deutschen Besserwissens und Besserkönnens aus. Gebt uns nur zwei Stunden zum Nachdenken und zwei Jahre zur Vorbereitung – zack, zack! Es hat uns zwar keiner gefragt, aber wir sind schon wieder bereit. Das wird die Welt mächtig freuen.

Abgesehen davon, daß es, wenn schon nicht nobler, so doch klüger gewesen wäre, mit der Mitteilung der eigenen Dienstbereitschaft wenigstens so lange zu warten, bis feststeht, ob Los Angeles und das IOC nicht doch noch handelseinig werden, stellt sich die grundsätzliche Frage: Zwölf Jahre nach München schon wieder Olympische Spiele in Deutschland – was soll das?

Aus der Perspektive eines Bürgermeistersessels mag man darin noch einigen Sinn erkennen. Schließlich waren die Spiele von 1972 für die Stadt München ja kein schlechtes Geschäft. Wann schon erhält eine Stadt von Bund und Land so wohlfeil finanzielle Mittel zur Verbesserung ihrer Infrastruktur? Welch bessere Möglichkeit böte sich einem Stadtoberhaupt, sich zu profilieren?

Doch darin kann sich der Sinn olympischer Spiele nicht erschöpfen. Als die Olympiamacher 1972 die Jugend der Welt, wie man so sagt, nach München riefen, taten sie dies in der erklärten Absicht, das Bild eines veränderten Deutschland zu präsentieren. Am Ende war das Bild dann nicht mehr so heiter wie am Anfang. Was wollen wir also diesmal präsentieren?

Die Herren des Internationalen Olympischen Komitees mögen anderer Ansicht sein; doch besser wäre es, die Spiele fielen aus, als daß wieder einmal, wie schon Innsbruck 1976, eine Stadt die Rolle des Nothelfers übernimmt. Denn mit Sicherheit wäre die Ersatzlösung für die Herren nichts als ein willkommenes Alibi, den längst fälligen Prozeß einer olympischen Neuorientierung wieder einmal vier Jahre zu verschlafen.

Aloys Behler