Afrika auf konstruktivem Kurs?

Von Gabriele Vensky

Noch nie zuvor in der Geschichte der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) hätten sich so viele afrikanische Staatschefs versammelt wie zum 15. Jubiläumsgipfel. Die Sorge um die immer größer werdende Gefahr ausländischer Interventionen auf dem Schwarzen Kontinent hatte die Regierenden von 48 der 49 Mitgliedsstaaten in die sudanesische Hauptstadt Khartum eilen lassen.

Doch wer erwartete, daß Afrika angesichts der bedrückenden Aussichten einem Phoenix gleich in Einheit aus der Konferenz hervorginge, hat die afrikanischen Realitäten gröblich unterschätzt. Afrika bleibt uneins, schwach und abhängig, es bleibt weiter im Schatten seiner unbewältigten kolonialen Vergangenheit. Europa, die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten, sie alle sind nicht unschuldig an dieser tristen Bilanz. Mehr noch: Nun droht der Kontinent auch noch zum Austragungsort ost-westlicher Rivalitäten zu werden. Das Schlagwort „Afrika den Afrikanern“ ist nichts mehr als eine Farce.

Verspielte Chance

Gerade die diesjährige Gipfelkonferenz hätte aber den Afrikanern zumindest bei einem Problem Gelegenheit geboten, sich endlich als ernstzunehmende politische Größe zu profilieren. Namibia hätte sich dafür angeboten. Doch die OAU hat die Chance verspielt, sie hat es versäumt, wirkliche Anstrengungen zu unternehmen, um diesen Konflikt auf unblutige Weise zu lösen.

Zwar gab es Akklamationen für den westlichen Namibia-Plan, doch verhallten sie hinter den militärischen Tönen von Sam Nujoma, dem Chef der Südwestafrikanischen Volksbefreiungsorganisation Swapo. Statt auf Nujoma einzuwirken, ihn auf. seine Versprechen festzunageln, um nur ja nicht den Südafrikanern einen Vorwand zu liefern, ihre Zusagen vom April wieder zurückzuziehen, ließen die Afrikaner es zu, daß die Swapo abermals die lange umstrittenen Punkte – Walfischbucht, südafrikanische Truppenstationierung und Beendigung des Guerrillakriegs – zur Diskussion stellte.