Auf einer Pressekonferenz wollte Präsident Carter die Erfolge seiner Deutschland-Tournee und des Wirtschaftsgipfels verkaufen. Doch beginnen mußte er mit dem jüngsten Skandal im Weißen Haus.

Carter gab den Rücktritt seines Beraters für Rauschgiftbekämpfung, des „engen Freundes“ der Carter-Familie und engagierten Staatsdieners Dr. Peter G. Bourne bekannt. Jede Diskussion des in Untersuchung befindlichen Falles lehnte er jedoch ab. Dabei hatte Jimmy Carter diesmal, anders als bei der Verabschiedung seines Freundes, des Haushaltsdirektors Bert Lance, vor einem Jahr, den Fall schnell gekappt.

Durch puren Zufall war ans Licht gekommen, daß Bourne ein Rezept für eine starke Beruhigungsdroge auf einen fiktiven Namen ausgestellt hatte. Überdies wartete ein junger Reporter mit der flotten Story auf, der Rauschgiftbekämpfer des Präsidenten sei selbst auf einer Party beim Rauchen von Marihuana, ja sogar beim Kokain-Schnupfen beobachtet worden.

Bourne bestritt. Doch nach Eingabe seines Rücktrittsgesuches ließ der 38jährige Mediziner englischer Abstammung, der 1971 als erster Jimmy Carter den Griff nach der Präsidentschaft nahegelegt hatte, immerhin wissen, zahlreiche Mitarbeiter des Weißen Hauses würden dem Genuß von Marihuana frönen, und einige nähmen sogar Kokain.

Das hatte eine Flut von Reporteranfragen zur Folge, so daß Washington-Insider bereits Schockwellen durch die Hauptstadt gehen sahen, weil die Alkohol-, Sex- und Drogenbedürfnisse der Männer unter hartem Streß bisher auch von den Redaktionsbüros in stiller Übereinkunft als tabu betrachtet worden seien.

Es wäre für das heutige Amerika geradezu atypisch, meinte ein führender Psychiater der Havard Medical School, wenn junge Leute mit dem Bildungshintergrund, den das Weiße Haus verlangt, nicht gelegentlich „Pot“ rauchten. Präsident Carter will zwar niemanden nach seinen Gewohnheiten direkt befragen, doch hat er am Montag seiner Mannschaft Order gegeben, wer das Gesetz nicht befolgen wolle (auch Marihuana ist verboten), der möge sich nach einem anderen Job umsehen. U. Sch.