Von Horst Bieber

Peter bezeichnete sich selbst als "vielschichtigen Charakter", weil er meint, das klinge besser als "prinzipienlos". Von Beruf ist er Botaniker, promoviert mit einer Arbeit über den Einfluß bestimmter Chemikalien auf das Wachstum von Nutzpflanzen, und ansonsten mit Leib und Seele Umweltschützer: "Nicht aus Überzeugung, sondern aus Fachwissen." Politisch, sagt er, wolle er eine gewisse Indifferenz nicht leugnen; er hat einmal in die SPD hineingeschnuppert, aber sehr schnell wieder die Kurve gekratzt: "Unter innerparteilicher Demokratie stelle ich mir was anderes vor." Von der Ochsentour durch die Partei-Instanzen hält er, der Überflieger, weniger als nichts. "Und bis man in den Parteien etwas bewegt – Junge, das ist mühsamer und zeitraubender als eine Habilitation."

Peter ist ein bis zur Karikatur typisches Mitglied einer Bürgerinitiative ("zu langer Begriff", mault er und kürzt es zum häßlichen BI ab), engagiert und fachkundig, lebhaft und ungeduldig, "aber für eine .Basisgruppe ungeeignet: Mit Politik habe ich nichts am Hut". Auf den Unterschied legt er großen Wert: Hier die unpolitische BI, auf ein Sachproblem konzentriert, dort die Basisgruppe, die radikal-demokratische Ziele verfolgt. Eigentlich hatte er am vorigen Wochenende ins hessische Alsfeld fahren wollen, wo sich die hessischen Umweltschützer zu einem fragwürdigen Kompromiß zusammenrauften, aber dann brauchte ihn eine benachbarte BI dringend, die Gründe gegen die Erweiterung einer Müllkippe zusammenträgt. Alsfeld hat er in den Zeitungen nachgelesen, und danach, so stöhnt er am Telephon, "mußte ich unbedingt einen trinken. Prost auf das Ende der Einheit in der Ökologiebewegung".

Diesen Grabspruch darf man unterschreiben. Alsfeld und auch das Wochenend-Treffen der niedersächsischen GLU (Grüne Liste Umweltschutz) in Liebenau – bei den Landtagswahlen vom 4. Juni mit 3,9 Prozent stark genug, die FDP aus dem Parlament zu kippen – haben gezeigt, daß die Ökologiebewegung in drei Lager aufgespalten ist: in die Bunten, die Grünen und die Gruhlisten. "Bunt" ist die Mischung von Grün und Rot, Grün ist grün, und Gruhl, so behauptet Peter, "entsteht aus Grün und Schwarz". Er, vom Geiste der traditionellen Bis durchseelt, will mit allen drei nichts zu tun haben – "und so wie ich denken viele meiner Mitstreiter".

Die Spaltung wurde unvermeidbar in dem Augenblick,-als die Ökologen sich zur Wahl stellten. Die linke Mehrheit glaubte, daß der Spielraum für ein rein ökologisches Programm zu schmal sei, immer schmaler werde, daß man deshalb nicht länger dem Traum anhängen dürfe, eine "Rechts-Links"-Definition zu vermeiden. Sie bezog also ideologisch Stellung, und heraus kam eine "linke Alternative zu den bestehenden Parteien", ein Zusammenschluß von Basisgruppen unterschiedlichster Anliegen und Couleur, auch roter und tiefroter. In Hamburg nannten sie sich: "Bunte Liste", was als Kurzformel für diese Richtung präzis genug sein mag.

Damit haben die Bunten das Umweltschutz-Terrain zielstrebig ausgeweitet, und weil sie sich in jeder Beziehung als Alternative zu den bestehenden Parteien verstehen, organisieren sie sich auch anders. Die Formen und Strukturen des Parteiengesetzes widersprechen, so meinen sie, ihrem Demokratieverständnis, sind viel eher geeignet, das Neugewachsene zu zerstören. Als "Anti-Partei" passen sie nicht in den Rahmendes Parteiengesetzes, in ihnen weht etwas vom Wind der "Neuen Linke".