Frankreichs Feinschmecker sehen sich mit einem ernsten Problem konfrontiert: Die Schnecken sterben aus. Der Mangel an dieser Delikatesse hat schon dazu geführt, daß einige französische Restaurants einfach normales Lungenfleisch in Schneckenschalen gefüllt und mit der üblichen Knoblauchsoße serviert haben. Zwar konnten selbst gastronomische Spezialisten angeblich keinen Unterschied herausschmecken, durch die Gruppe der Puristen aber ging, ob dieser – zudem illegalen – Sakrilegien, ein Aufschrei der Empörung. Was aber ist statt dessen zu tun? Die Zucht der Schnecken, mit der sich einige „Schneckenfarmen“ beschäftigen, scheint Zur Zeit keine gute Lösung zu sein: Schnecken vermehren sich nur schwer in Gefangenschaft, zudem sind die gezüchteten Schnecken anfällig für Krankheiten, von denen ihre freilebenden Genossen verschont bleiben. Die Zucht ist auch ein zeitaufwendiges Unterfangen; die Schnecken werden erst in einem Alter von drei Jahren geschlechtsreif. Frankreichs Schneckenfans fordern daher eine Schonzeit für die Tiere, die bisher keinerlei gesetzlichen Schutz genießen, ein Sammelverbot für Schnecken mit einem Umfang von weniger als 33 Millimetern und eine verstärkte Forschung auf diesem Gebiet, damit in Zukunft die Versorgung mit diesem wichtigen Nahrungsmittel gesichert sei.

Rainer Köthe