Von Margrit Gerste

Die Hamburger Psychologin Ursula Plog berichtet über zwei junge Männer, die in Sekten gelebt hatten und dann in der Psychiatrie gelandet waren: Der eine, Sozialpädagoge kurz vor dem Examen, unauffällig, angepaßt, wollte "Gutes tun, den Menschen helfen", doch sein Studium befriedigte ihn nicht. Er mußte erfahren: Sozialarbeit verändert die Welt nicht.

Dem anderen, einem 25jährigen Rechtsreferendar, erging es ähnlich. In seinem Beruf fand er keine Erfüllung. Auch Juristen, so mußte er lernen, können die Welt nicht verbessern. Während beide diese schmerzliche Erfahrung machten, begegneten sie den freundlichen, Liebe verströmenden Mitgliedern der "Vereinigungskirche".

"Solche jungen Leute suche ich doch!" rief die gottgläubige Theologiestudentin aus, als sie die "Moonies" kennenlernte, die "sich wieder auf die wichtigen Grundwahrheiten des Christentums besinnen und in der Gemeinschaft danach leben." Alles sei bei ihnen "einfach und klar, anschaulich, fast mathematisch". Sie fand hier jene "geistige Verwandtschaft", die sie in der Theologie bisher vermißt hatte.

Warum ging die 18jährige Abiturientin zu den "Kindern Gottes"? "Ich fühlte mich in meinem Glauben isoliert. Ich sah niemanden, der seinen Glauben besonders ernst nahm oder ihn praktizierte."

Ein 19jähriger Schüler erinnert sich an seine erste Begegnung mit einem "Moonie": "Sie redete vom Sinn der Welt und über Gott. Fragen, die mich bewegten. In der Schule blieben so viele Fragen offen. Hier gab es auf alles eine Antwort."

All diese Wünsche, Gefühle, Erlebnisse charakterisieren die jungen Menschen als idealistisch und religiös, introvertiert und einsam, als Menschen, die sich quälen mit der Frage nach dem Sinn des Daseins. Es sind meist Studenten, sagt der amerikanische Psychiater John G. Clark, sie stammen aus intakten Familien mit "einem gewissen religiösen Hintergrund" – überwiegend aus protestantischen Familien, wie die Umfrage einer Elterninitiative ergeben hat, und häufig streben sie in soziale Berufe. "Es gibt", meint die Psychologin Ursula Plog, "ein menschliches Grundbedürfnis nach Sicherheit, Eindeutigkeit und Geborgenheit, nach Glaubensgewißheit und mystischer Erfahrung. Es wird heute nicht mehr zufriedengestellt."