In aller Bescheidenheit möchte ich darauf hinweisen: Ich war schon immer gegen Steuern und gehöre nicht zu jenen lautstarken Mitbürgern, die offenbar erst jetzt ihren Widerwillen gegen Steuern entdeckt haben. Meine Abneigung gegen Steuern sitzt klaftertief, und ich kann mich an keinen Steuerbescheid erinnern, den ich nicht unter unwiedergebbaren Flüchen in Empfang genommen habe. Mich, nicht Hermann Fredersdorf, sollte man darum einen „Steuerrebellen“ der ersten Stunde nennen.

Nun hat die Empörung über Steuern – „Jede Steuer ist ungerecht“, pflegte mein Vater zu sagen – eine gewisse Tradition. Der Mangel an Achtung, den meine Eltern der Steuer entgegenbrachten, läßt sich an den Säumniszuschlägen ablesen, die uns als eine Art Sondersteuer regelmäßig aufgebrummt wurden. Das reicht aber noch weiter zurück: In unserer Familie hat noch niemand freiwillig oder gar gerne Steuern gezahlt. Fast alle aber haben unter steuerlicher Unterdrückung gelitten, ja, zwei Großonkel meines Vaters sind sogar, nach einer besonders krassen steuerlichen Belastung, nach Amerika ausgewandert, auf freiem Steuerboden Steuer-Pioniere wurden! Über die Steuer-Feindschaft in meiner Familie bin ich nicht nur durch mündliche Überlieferung informiert, sondern auch durch Briefe. „Liebe Berta“, schrieb mein Urgroßvater väterlicherseits am 18. 2. 1861 an seine junge Ehefrau, „ich muß Dir die beklagenswerte Mitteilung machen, daß eine unerwartete und heimtückische Steuernachzahlung Deine ganze Mitgift aufgezehrt hat, und wir nun vor dem Ruin stehen. Brich darum Deine Kur in Bad Ems sofort ab, und kehre zu Deinem tief verschuldeten Gatten zurück. Tod den Finanzpalästen! Dein Hermann.“

Auch der einzige Fall von Kriminalität in unserer Familie hat mit der Steuer zu tun. Erich, ein bis dahin unbescholtener Vetter meiner Mutter, ließ sich bei einem schweren Fall von Steuerhinterziehung erwischen und wurde zu schwerem Kerker verurteilt. Bezeichnenderweise aber wurde Erich nie, wie das zu erwarten gewesen wäre, als das „Schwarze Schaf“ der Familie totgeschwiegen, sein Name wurde vielmehr wegen erwiesener Tapferkeit vor dem Feinde, dem Finanzamt, stets in ehrenhaftem Andenken gehalten.

Bei uns fielen auch nie geringschätzige Bemerkungen über Unternehmer oder Prominente aus dem Show-Business, die aus steuerlichen Gründen ihr Vaterland verließen und sich in einem der sogenannten „Steuerparadiese“ niederließen. Vielmehr hielten Väter sie ihren Söhnen als Vorbild vor Augen und setzten ihnen das Ziel, einmal im Leben so viel zu verdienen, daß sie so gut wie keine Steuern mehr zu zahlen brauchen.

Das echte „Schwarze Schaf“ der Eberts, und ein ausgesprochener Versager, bin nämlich ich! Denn ich habe es soweit gebracht, als Lediger besonders hoch, und dazu noch als Freiberuflicher wie ein Unternehmer veranlagt zu werden. Daß bei mir unter diesen Umständen all die schönen Projekte der Politiker, die Steuern wenigstens erheblich zu senken, auf offene Ohren stoßen, ist wohl selbstverständlich.

Darum habe ich hocherfreut gehört, daß der Kanzler, einer Bitte Carters entsprechend, entschlossen scheint, die Steuern um 13 Milliarden Mark zu senken, und zwar in der Hoffnung, damit Wachstumsimpulse zu geben. Von diesen 13 Milliarden fallen auf meinen Kopf DM 51,20. Große Sprünge kann ich damit nicht machen und etwa der darbenden Schiffbauindustrie helfen, indem ich meinen Lebenstraum verwirkliche und mir eine Yacht zulege. Immerhin langt der Betrag aber dazu, das Buch: „Du und Deine Steuer – ein Leitfaden durch den Steuerdschungel“ von Ignatius Tax zu kaufen und dazu noch den lange ersehnten neuen-Rasierpinsel.