Seit gut zweitausend Jahren ist das Instrument bekannt: die wirtschaftliche Sanktion als politisches Druckmittel. Dem amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter gelang es jetzt, der langen Geschichte von Embargos (Lieferverboten) und Boykotts (Kaufverboten) ein – je nach Geschmack –, skurriles oder groteskes Kapitelchen anzuhängen: Die sowjetischen Dissidentenprozesse beantwortete er mit der Weigerung, die Lieferung eines der Nachrichtenagentur TASS zugesagten Computers zu genehmigen.

In Wahrheit, so stellte sich bald heraus, konnte, der Lieferant, Sperry Univac, aus technischen Gründen gar nicht liefern. Zumindest nicht rechtzeitig. So machte Carter mit einer guten Portion Gratismut aus der Not eine Tugend. Eine Tugend?

Wohl nicht. Eher eine materiell nichtsnutzige Demonstration. Denn irgendwoher wird TASS den Rechner bekommen, von den Deutschen oder sonstwoher. Denn das ist zumindest in jüngerer Zeit historisches Einmaleins: Wer gut bezahlt, kriegt schließlich, was er will.

Im Jahre 432 vor Christus allerdings war das noch anders. Da hatte ein Boykott, der älteste wohl, der bekannt ist, eine geradezu verheerende, wenn auch unbeabsichtigte Wirkung. Damals verbot Athen, Waren aus Megara zu importieren, um die Stadt aus dem Bündnis mit Sparta zu brechen. Dies führte, unter anderem, in den Pelopponesischen Krieg.

In jüngeren Zeiten jedoch erwiesen sich wirtschaftliche Sanktionen, selbst solche, die nicht allein aus Demonstriergehabe entstanden, letzten Endes als wirkungslos.

So ist Rhodesien nicht kleinzukriegen, obwohl es seit 1966 von fast allen UN-Staaten offiziell boykottiert wird. So konnten die Amerikaner gegen Kuba ebensowenig ausrichten wie die Ostblockstaaten und die Arabische Liga trotz Boykottbüros und umfänglicher Schwarzer Listen gegen Israel. So führte auch das einer Nato-Empfehlung von 1963 entsprungene berühmte Röhrenembargo gegen die UdSSR zu nichts: Nur die Bonner folgten damals dem Beschluß; die Briten hätten das Geschäft gemacht, wären sie nicht zu teuer gewesen; die Japaner bekamen schließlich den Zuschlag.

Die Gründe dafür, warum noch so weltweite, noch so entschlossene, noch so scharf kontrollierte Embargos oder Boykott-Maßnahmen tatsächlich nichts weiter sind als dümmliche Drohgebärden, sind in allen Fällen recht uniform. Der erste: Die totale Kontrolle ist niemals möglich, und die unvermeidlichen Schlupflöcher haben die Eigenschaft, sich’selbst zu erweitern. Der zweite: Die wichtigsten Handelspartner von einst sind – mögen auch ideologische Gegensätze bestehen – kommerziell mit dem erklärten Bösewicht in der Regel so eng verzahnt, daß sie sich ins eigene Fleisch schneiden müßten. Und wer tut das schon? Der dritte: Das geächtete Land verfügt gelegentlich über ein so attraktives Warenangebot – im Fall Rhodesien sind es strategisch wichtige Rohstoffe –, daß allen offiziellen Beteuerungen zum Trotz unter dem Tisch weiter gehandelt wird.