Sechs Monate hat die Koalition aus Sozialisten und Christdemokraten (CDS) in Portugal gehalten, jene „widernatürliche Ehe“, wie sie die opponierenden Sozialdemokraten nannten. Jetzt hat der kleinere Partner die Scheidung betrieben und seine drei Minister zurückgezogen. Ministerpräsident Soares muß sich eine neue Mehrheit suchen – oder Neuwahlen einleiten, von denen alle reden, und die doch niemand haben will.

Vordergründig ging es um den sozialistischen Landwirtschaftsminister Saias, der sich, wie die Christdemokraten klagten, weder an die Koalitionsabsprachen hielt noch bei. der vereinbarten Korrektur der ersten linkslastigen Landreform die gebotene Eile zeigte. Den Sozialisten war es recht; denn Saias’ Zurückhaltung besänftigte die Kommunisten; die konservative CDS wollte es nicht länger ertragen, weil ihm seine Wähler wegzulaufen drohten, hin zu jenen Sozialdemokraten, die zur Zeit die Christdemokraten weit rechts überholen.

Saias und die Landreform waren also nur ein Vorwand, um nicht aussprechen zu müssen, daß die linke Regierung von dem nach rechts gedrehten Wind gebeutelt wird. In diesem gewandelten Klima wären Neuwahlen in der Tat die sauberste, demokratische Lösung. Doch kaum die vernünftigste.

Was sollten sie auch bringen, außer einem neuen Ausbruch politischer Leidenschaften? Bestenfalls eine rechte Mehrheit, die dann offen betreibt, was die jetzige Regierung zähneknirschend schon heimlich tut, gezwungen durch die Auflagen des Internationalen Währungsfonds: Stabilisieren um jeden Preis.

Die sozialistischen Träume sind längst verflogen. Generalspräsident Eanes ist also wieder gefordert, beide Partner zum Einlenken zu bewegen, damit das zerbrechliche Schiffchen der portugiesischen Demokratie nicht in einen neuen Sturm gerät. H. B.