Zum bevorstehenden 10. Jahrestag des militärischen Einmarsches bekräftigte Radio Prag das „Recht der sozialistischen Gemeinschaft auf Intervention in einem gefährdeten Bruderland“.

Es sind schon, zehn Jahre verflossen, daß die von der ausländischen Reaktion unterstützten konterrevolutionären Kräfte in der Tschechoslowakei den Sozialismus liquidieren wollten. Es sind schon zehn Jahre, daß dank der internationalistischen Bruderhilfe der sozialistischen Staaten ... dieser Versuch vereitelt wurde. Von den tschechoslowakischen Ereignissen wird heute viel gesprochen, besonders in den Massenmedien einiger Weststaaten. Selten kann man jedoch von ihnen die Wahrheit erfahren. Wie ist sie?... Zu dieser Zeit hatten antikommunistische Kräfte völlig offen Demonstrationen und Provokationen organisiert. Ende Juni machten sie sich um die Herausgabe des zweitausendwortigen Pamphlets verdient, das eine direkte Anleitung zu Gewalttätigkeitsaktionen und zur Destruktion des sozialistischen Systems wurde... Diese Situation hat viele tschechoslowakische Bürger ernsthaft beunruhigt. Schon im Juni trafen in Prag-Ruzyne über 11 000 Angehörige der Volksmiliz zusammen. In einem an das sowjetische Volk adressierten Schreiben erklärten sie: „Wir lassen es nicht zu, daß die Prinzipien des sozialistischen und kommunistischen Aufbaus von irgendwem beschmutzt oder bedroht werden. Wir werden die Ideale nie verraten, für die im slowakischen Volksaufstand, am Dukla-Paß, auf den Prager Barrikaden Blut geflossen ist.“ ... Die Reaktion bezeichnete diese Bürger als Volksverräter. Offensichtlich um andere davon abzuhalten, diesem Beispiel zu folgen. Ähnliche Befürchtungen wie die Volksmiliz ... hatten auch die Repräsentanten der anderen sozialistischen Länder. Sie haben die tschechoslowakische Führung einige Male vor der Gefahr einer Konterrevolution gewarnt, ob es im März 1968 in Dresden oder später in Sofia und

Moskau war... Das von der Rechten damals beherrschte Präsidium des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei hat allerdings die Teilnahme an dieser Zusammenkunft verweigert. Es nahm auch den Brief nicht an, den von der Warschauer Zusammenkunft am 15. Juli die Repräsentanten von fünf Bruderparteien ... schrieben. Dies war ein warnender Brief, der sagen wollte: seht ihr denn nicht, daß euch die Konterrevolution eine Position nach der anderen raubt, daß die Partei die Kontrolle der Ereignisse verliert und immer mehr dem Druck antikommunistischer Kräfte weicht? Dies war keine Äußerung der Einmischung, wie die tschechoslowakische Konterrevolution damals die Öffentlichkeit glauben machen wollte. Es waren berechtigte Befürchtungen Angehöriger der internationalen sozialistischen Gemeinschaft, aus der die Tschechoslowakei nach den Plänen der Reaktion herausgerissen werden sollte. ... Diese Kräfte, haben übrigens im Jahre 1968 ihre Freude an der antisozialistischen Entwicklung in der Tschechoslowakei klar kundgetan. In den USA schrieb das Blatt US News and World Report, „sollte es gelingen, die ČSSR aus der sozialistischen Staatengemeinschaft herauszureißen, würde sie zu einem Korridor werden, über den westliche Truppen direkt an die Schwelle Rußlands heranrücken könnten“. Der amerikanische Senat ließ schon neue Gesetze über den Handel mit der Tschechoslowakei vorbereiten und sprach über die Zurückgabe des tschechoslowakischen Goldschatzes, der seit dem Zweiten Weltkrieg unberechtigterweise in den USA zurückgehalten wird. Nach der Niederlage der Konterrevolution in der Tschechoslowakei haben die USA die Lösung dieser Fragen wieder ad acta gelegt...