Kommunalpolitiker, die heute noch Stadthallen bauen, sollte man darin einsperren und einmauern." Das Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff zugeschriebene Zitat gehört seit geraumer Zeit zum festen Sprachschatz des CDU-Kreisverbandes Ennepe-Ruhr. Die Christdemokraten machten die Worte des "Grafen Otto" zum Bestandteil einer 42 Seiten umfassenden Dokumentation. Titel der Broschüre: Bauskandal "Haus Ennepetal".

Den Unionspolitikern ist es ein Dorn im Auge, "daß das Jugend- und Kulturzentrum der 38 000-Einwohner-Stadt Ennepetal den Steuerzahler 25 Millionen Mark kosten wird, und man an dem Haus, das bereits 1976 fertiggestellt sein sollte, immer noch baut". Und bis zur Aufklärung der Vorgänge um das zweigeschossige Neubauprojekt im Stadtteil Milspe entlang der Ennepe fordert die CDU die Suspendierung des Stadtdirektors und des Baudezernenten sowie die Sicherstellung aller Akten wegen angeblicher Verdunklungsgefahr.

Das Jugend- und Kulturzentrum, auch Bürgerhaus genannt, hieß einst "Projekt 2000" und war bei der Gemeindewahl 1970 der Wahlschlager der SPD. Einen kleinen Unterschied zwischen damals und heute gibt es allerdings. Durch einen Architektenwettbewerb und Standortwechsel verteuerte sich das ursprünglich auf 7,4 Millionen Mark veranschlagte Projekt auf 17 Millionen Mark. Die CDU geht inzwischen mit der Behauptung hausieren, daß der wirkliche Aufwand durch die vielen Planungspannen spielend die 25-Millionen-Grenze erreichen, werde. Zudem rechnet sie mit Folgekosten von einer Million pro Jahr.

Pannen beim Bau des "Millionendings" werden von SPD und FDP nicht, bestritten. Die Höhe der Hausmeisterwohnung ist 20 cm niedriger als bei normalen Bauten, Fenster und Lichtleitungen wurden zum Teil nachträglich installiert, eine Zufahrtsstraße muß um einen Meter abgesenkt werden, und der Bau einer dringend erforderlichen Umgehungsstraße zur Entlastung des Innenstadtverkehrs dürfte sich erheblich verteuern und verzögern: Denn das Jugend- und Kulturzentrum wurde "irrtümlich" zu nahe an die Ennepe gebaut. Nach CDU-Meinung war der gravierendste Fehler jedoch, daß mit dem Hausbaut begonnen wurde, als die Planung noch gar nicht feststand.

Die Suche nach dem Schuldigen hat bereits begonnen. Die CDU macht vor allem geltend, daß die Firma "Treuarbeit", eine Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die unter anderem den Helaba-Skandal in Hessen mit aufklären half, die Prüfung der Vorkommnisse um das Haus Ennepetal mit folgender Begründung verweigerte: "Der Wahrheitsgehalt dürfte auf diesem Wege nur sehen zu ergründen sein. Er könnte vielleicht durch einen mit richterlichen Befugnissen ausgestatteten Untersuchungsausschuß aufgehellt werden."

Nachdem zeitweise gleichzeitig vier Bauleitungen mit dem Neubauprojekt befaßt waren, ist inzwischen ein neutrales Münsteraner Architektenteam mit Verbesserungsvorschlägen beauftragt worden. Man versteht sich als "deus ex machina" und ist bemüht, das Beste aus der Angelegenheit zu machen. Tenor der Aussage: In Ennepetal ist man mit "viel Gottvertrauen" an die Arbeit gegangen. Der preisgekrönte Architektenvorschlag sei in die Landschaft gesetzt worden, ohne daß Umgebung, Besitzverhältnisse und diverse Pläne zur Stadtkernsanierung genügend berücksichtigt worden seien.

Optisch überzeugt die Idee von Haus-Ennepetal-Planer Peter Scheele aus Dortmund. Zu dem Jugend- und Kulturzentrum gehören eine vom angestauten Ennepe-Wasser umspülte Freilufttanzfläche, eine Brücke durch das Zentrum bis zum Kurhaus Kluterthöhle und ein Kraftsportzentrum, dann eine Bibliothek, Tagungs- und Partyräume, eine Diskothek und ein Saal für 750 Personen. Im Lichthof ist eine in den Himmel ausgestreckte große Hand als Kunstplastik vorgesehen, die der Volksmund bereits mit einem Sinnspruch versehen hat: "Herr gib’ uns unsere Millionen wieder."