Die im Wachen träumen, haben Kenntnis von tausend Dingen, die jenen entgehen, die nur im Schlaf träumen.

Der Maler Wols, dessen photographisches Werk jetzt entdeckt wurde

Die DDR und ihre Denkmale

Wie weit liegt das zurück: der Abriß der (Ost-)Berliner Stadtschloßruine, der Potsdamer Garnisonkirche, der Leipziger Universitätskirche. Teils fielen sie rüden Neubauplänen für die „sozialistische Umgestaltung“ von Städten zum Opfer, teils sollte mit ihrer Vernichtung zugleich ein Stück Geschichte ausgelöscht werden, so wie es die SED weiland unter Walter Ulbricht gewollt hatte. Heutzutage hat sich das radikal geändert und sicher nicht nur, weil das Europäische Denkmalschutzjahr auch in der DDR genug Lärm gemacht hat. Seit zwei Jahren ist ein neues Denkmalpflege-Gesetz in Kraft. Zur Zeit werden an einem Drittel der rund 30 000 Bau- und Kunstdenkmale in der DDR Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten vorgenommen. Fast wöchentlich liest man in unseren Zeitungen Nachrichten wie diese: Restaurierung des Marstalls in Potsdam begonnen, die Renovierung des expressionistischen Einsteinturms von Erich Mendelsohn beschlossen; in Potsdam wird das Holländische Viertel vorbildlich rekonstruiert, fünf Millionen Mark werden für die Erhaltung der Schlösser und Gärten von Potsdam und Sanssouci ausgegeben; in Berlin stehen die Charité, der ehemalige Gendarmenmarkt, die Spittelkolonnaden auf dem Programm, in Dresden nicht nur die Semper-Oper, sondern viele historische Gebäude und Ruinen beiderseits der Elbe. Seit einem Jahr existiert eine Gesellschaft für Denkmalpflege, die im Handumdrehen über vierzigtausend Mitglieder hatte. Wie in der Bundesrepublik entstehen Spezialunternehmen für Denkmalspflege, die auch Spezialhandwerker ausbilden werden. Auf der kürzlich fertiggestellten Liste der 360 „Denkmäler von internationalem Rang“ stehen unter anderem 22 historische Stadtzentren und 25 Altstadtbereiche. Und, was dieses politisch unverfängliche Gebiet eben auch erlaubt: Internationale Kontakte sollen ausgebaut werden.

Köln ohne Rohrbach

Der Chef bereitet seinen Umzug nach München vor, doch in der Fernsehspiel-Redaktion des WDR (der besten und einfallsreichsten des deutschen Fernsehens) wird unverdrossen weiter geplant und produziert. Während Günter Rohrbach sich auf seine neue Aufgabe als Direktor der Münchner „Bavaria“-Produktionsgesellschaft vorbereitet, annoncieren die Kölner gleich ein halbes Dutzend vielversprechender Projekte, deren Dreharbeiten in diesen Wochen beginnen: Klaus Emmerich („Kreutzer“) verfilmt Horst Bieneks Roman „Die erste Polka“ mit Maria Schell und dem Bergman-Schauspieler Erland Josephson; Hans W. Geissendörfer, jüngst für „Die gläserne Zelle“ mit dem höchsten Bundesfilmpreis ausgezeichnet, widmet sich in acht Folgen Bernard Brentanos Roman „Theodor Chindler“; Manfred Krug spielt die Hauptrolle im „Turm“ nach einem Drehbuch von Dieter Weilershof; Ilse Hofmann („Die Ilse ist weg“, „Alte Liebe“) verfilmt Judith Kerrs preisgekröntes Jugendbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“; Jürgen Flimm, demnächst Theater-Intendant in Köln, hat mit den Dreharbeiten zu dem Fernsehspiel „Das reicht uns nicht“ begonnen; George Moorse macht für das WDR-Kinderprogramm ein „Puppenzeitalter“. Dies alles und noch manches mehr aus Köln läuft demnächst im Heim-Kino, nur Rohrbachs Nachfolger als Leiter der Fernsehspiel-Redaktion steht noch nicht fest.

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