Der Krach der zersplitternden Knochen sei „bis zur Tribüne hin“ zu hören gewesen, sagte betroffen der Trainer Udo Lattek. Eine Kakophonie des Schmerzes signalisierte das traurige Ende der sportlichen Laufbahn eines lange Zeit fröhlichen Draufgängers, des 31jährigen Fußballprofis Bern Vogts.

Nachherben Kritiken hatte es Vogts, „Kapitän“ der im WM-Turnier von Argentinien so unglückseligspielenden deutschen Nationalmannschaft, noch einmal wissen wollen. In seiner Klubmannschaft Borussia Mönchengladbach wollte er zeigen, daß er selbst und der deutsche Fußball, den er so lange vertrat, so schlecht nicht seien, wie sie zuletzt gemacht worden waren. Im saisoneröffnenden Pokalspiel der Gladbacher gegen den Wuppertaler SV traf ihn das Tackling eines Gegenspielers

Die ärztliche Diagnose war schlimm: Abbruch des Innenknochens im rechten Knöchel, Riß des Innenbandes und Wadenbeinbruch. Es ist, auch wenn er in einem halben Jahr wieder laufen kann, das „Aus“ für den Fußballer Vogts, gerade in dem Augenblick, da er, der es mit dem Image des braven, ehrlichen, nimmermüden Kämpfers zu 96 Länderspielen und zum „Kapitän“ der Nationale elf gebracht hat, mit aller Kraft um seine Rehabilitierung zu kämpfen begann – weil er Kritik nun einmal nicht auf sich sitzen lassen mag.

Vor zwölf Jahren stellte der damalige Gladbacher Trainer Hennes Weisweiler im Trainingslager der Nationalmannschaft einen jungen Mann vor, den niemand kannte, Berti Vogts. „Das wird einer“, sagte Weisweiler damals. Und Berti Vogts wurde einer. Als einer jener zuverlässigen Kämpfer, die eine Mannschaft neben Technikern à la Beckenbauer braucht, machte er Karriere in der Fußball-Arena. Vom Typ her einen Uwe Seeler ähnlich: dieselbe Energie, dieselbe Willenskraft, dieselbe vorbildliche Berufsauffassung.

Nicht zu Eskapaden neigend, beherrscht auch im härtesten Zweikampf, diszipliniert in der Ausführung taktischer Aufgaben, schien er allen der rechte Mann für die Rolle des Mannschaftsführers, als Franz Beckenbauer nach Amerika ging. Doch es zeigte sich, daß Berti Vogts, der Kämpfer, in dieser Rolle überfordert war. Als die Mannschaft in Argentinien in die Krise geriet, geriet auch ihr Kapitän in eine Krise – und spürte wohl einen ersten, psychischen, Knacks.

Den zweiten, physischen, Knacks bekam er jetzt zu spüren, da er den Vorwurf des Versagens entkräften wollte.

Und das ist wohl ein bißchen viel des Unglücks. Weshalb nun auch die schärfsten Kritiker wieder mit unüberhörbarem Respekt von ihm sprechen: „Berti Vogts – das war schon einer!“

Gerhard Seehase