Literatur entsteht nicht jenseits von Zeit und Raum. Die Gedichte des zu fünfzehn Jahren Haft verurteilten Schriftstellers Peter-Paul Zahl, vom 22. Mai bis 18. Juli, also 57 Tage im Hungerstreik für bessere Haftbedingungen (und wie das Faksimile auf dieser Seite zeigt, keineswegs mühelos mit der Außenwelt der Bücher in Kontakt) können schlechterdings nicht ohne ihre Entstehungsbedingungen beurteilt werden. Es sind erbrochene Worte. Wenn Zahl sie hervorstößt in Wut und Protest, werden die Gedichte schrill, gewissermaßen unwahr. Sie borden über den Rand, schwappen über, überdrehen ihr Tempo zu einer verbalen Hast, die vorgibt, Stakkato zu sein, und bleiben ganz leer; tote laute Worte: „Pogrom“, „hysterisch kreischende Landesfürsten oder „Zitterfinger der Bürschchen am Abzug“ (der Brokdorf-Polizisten). Diese Gedichte bleiben pure Deklamation.

Zahl wehrt sich gegen derlei ihn ekelnde Kritik:

„in Heidelberg rügt

ein Kritiker meine Gedichte

ihnen fehlt sagt er

,der pragmatische gestus

der neuen alltagslyrik‘