DIE ZEIT

Staatsangst

Der westdeutsche Fernsehkorrespondent Lutz Lehmann darf keinen Film über die Situation der Schriftsteller in der DDR drehen.

Jomo Kenyatta

Denn der Alte hat sein Haus schlecht bestellt. Gewiß, niemand in Schwarzafrika hat seinem Land einen solch demokratischen Anstrich gegeben wie er – doch das ist Firnis.

Vergeben, vergessen oder verdrängen?

Ein Wort geht um in diesem Sommer: Generalamnestie. Aufgeworfen hat es der Historiker Golo Mann, aufgegriffen der christlichsoziale Franz Josef Strauß.

Falsch programmiert

Die inneramerikanische Debatte über Jimmy Carters Rußlandpolitik hat sich aufs neue an der von ihm selber mehrfach aufgeworfenen Alternative für Amerikas Verhältnis zur Sowjetunion festgezurrt: Konfrontation oder Kooperation.

Luft-Pannen

Dreimal schon waren die mutmaßlichen Mörder von Siegfried Buback, Jürgen Ponto und Hanns-Martin Schleyer im Hubschrauber unterwegs gewesen, ehe das Bundeskriminalamt vor dem vierten Start auf sie aufmerksam gemacht wurde.

Wolfgang Ebert: Ein schwerer Fall

Fünf Minuten, dann hol’ ich Sie heraus!" ermahnte mich die Schwester streng, als ich ihr zum Zimmer des Kranken folgte. "Wir haben ihn gerade von der Intensivstation zurückgebracht.

Worte der Woche

"Vielleicht ist die CDU zu Lernprozessen bereit, wenn ihr ein deutsches Gericht mit Brief und Siegel bestätigt, daß die Union permanent Ausgewogenheit mit konservativem Meinungsjournalismus verwechselt.

Zeitspiegel

Ein elektronisches Energiekontrollsystem wird im Jerusalemer Krankenhaus Scha-arei Zedek dafür sorgen, daß fromme Juden sich am Sabbat nicht mehr gegen Gott versündigen müssen.

Dreißig Jahre hinter Gittern...

Die Anstalt II in Hamburg-Fuhlsbüttel am Hasenweg 26 ist die Justizvollzugsanstalt, in der neben anderen Verurteilten die Lebenslänglichen aus den drei norddeutschen Ländern Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein einsitzen.

Belagerung

Die Geschichten auf dieser und der folgenden Seite stammen aus dem Buch "Nein, ich beschwere mich nicht", in dem der emigrierte tschechische Kernphysiker Frantisek Janouch über seine Prager Erlebnisse von 1968 bis 1973 berichtet.

Rückzug ins private Glück

Denkmal des heiligen Wenzel auf dem Wenzelsplatz, 9.00 Uhr vormittags: Vor zehn Jahren, am 21. August 1968, schlugen an dieser Stelle Flammen über einem sowjetischen Panzer zusammen.

Die zahnlose Revolution

Er war der beste Zahnarzt, den ich je gekannt habe. Seine Kronen und Plomben erfüllen ihren Dienst bis heute, schon ein gutes Vierteljahrhundert lang.

Das erste Verhör

Man hat Lampenfieber, beinahe wie vor dem ersten Rendezvous mit einem Mädchen. Ich mußte die Taufe in der Bartholomäusstraße über mich ergehen lassen.

Gewagter Tanz auf dem Balkan

Unter vielen symbolträchtigen Szenen beim Besuch des chinesischen Parteichefs und Premierministers Hua Kuo-feng in Rumänien und Jugoslawien war eine besonders beziehungsvoll: Auf der Piata Victoriei in Bukarest, dem Siegesplatz, wo die Organisatoren des Jubels Zehntausende von Menschen zusammengezogen und mit Kindergymnastikgruppen, drahtigen Sportstudenten in rotem Dreß, Männergesangsvereinen in schwarzem Anzug, Soldaten- und Frauenchören sowie pittoresken Folkloregruppen drapiert hatten – auf diesem Siegesplatz nun zog eine den Nationaltanz wirbelnde Gruppe unter unbeschreiblichem Lärm Hua Kuo-feng und Nicolae Ceausescu in den temperamentvollen Reigen hinein.

Ein wenig heimatlos

Der Zwist ist unscheinbar. Horst Ehmke soll seinen Wahlkreis in Stuttgart aufgeben, den er liebt. Halb trotzig, halb kämpferisch mit den ewig hochgekrempelten Ärmeln denkt er nun daran, in Bonn für die SPD anzutreten; in jenem legendären Adenauer-Wahlkreis 63 also, in welchem nach dem ersten Kanzler der Republik namhafte Politiker der Union nie mehr Fuß faßten, von der SPD gar nicht zu reden.

Ein Herbst des Unbehagens

Wird die CDU/CSU in der kommenden Saison nur Reprisen und neuen Hader bieten? Bisher sieht es ganz danach aus. Helmut Kohl wird abermals vorgeworfen, die Union habe den Sommer verschlafen; ebenso ist der Zwist über die richtige Oppositionsstrategie und die Vierte Partei wieder in vollem Schwange.

Eine Woche des Terrors

Zwei Kroaten überfielen das deutsche Generalkonsulat und nahmen acht Geiseln, die gegen den in Köln inhaftierten Exilkroaten Stjepan Bilandzic ausgetauscht werden sollten.

"Gemeinsame Ziele"

Rumänien, das in voller Übereinstimmung mit den objektiven Erfordernissen des internationalen Lebens handelt, stellt beharrlich in den Vordergrund seiner auswärtigen Tätigkeit die Entwicklung der Beziehungen der Freundschaft und Zusammenarbeit zu allen sozialistischen Ländern, festigt ständig die Solidarität mit den Entwicklungsländern, mit den nicht-paktgebundenen Staaten, weitet die ökonomischen, technisch-wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu allen Staaten der Welt, ohne Unterschied der Gesellschaftsordnung, aus.

Angola – Zaire: Frieden?

Vor genau drei Monaten waren, zum zweitenmal innerhalb von 15 Monaten, aus Angola die sogenannten Katanga-Rebellen in die südzairische Kupfer-Provinz Shaba (früher Katanga) eingedrungen.

,,Elder statesman"

Berufsziel: elder statesman. Das steht am Ende der Überlegungen um seine politische Zukunft, die Walter Scheel während der Sommerpause in Ruhe anstellen konnte.

Max Horkheimer: Kritik des Bestehenden

Die wahre gesellschaftliche Funktion der Philosophie liegt in der Kritik des Bestehenden. Das bedeutet keine oberflächliche Nörgelei über einzelne Ideen oder Zustände, so als ob ein Philosoph ein komischer Kauz wäre.

Paul Feyerabend:: Laut und frech

Die Wissenschaft steht also dem Mythos viel näher, als eine wissenschaftliche Philosophie zugeben möchte. Sie ist eine der vielen Formen des Denkens, die der Mensch entwickelt hat, und nicht unbedingt die beste.

Willard Van Orman Quine: Pflicht der Sprache

Die so fundamental aussehende philosophische Frage: Wieviel von unserem Wissen verdankt sich der Sprache und wieviel ist echte Reflexion der Wirklichkeit? ist womöglich eine falsche Frage, die selbst einem besonderen Sprach-Typ entspringt.

Karl Popper: Zwei Seiten

Nach meiner Auffassung ist der größte Skandal der Philosophie, daß, während um uns herum die Natur – und nicht nur sie – zugrundegeht, die Philosophen weiter darüber reden – manchmal gescheit, manchmal nicht –, ob diese Welt existiert Sie treiben Scholastik, beschäftigen sich mit sprachlichen Problemen, wie dem, ob es Unterschiede zwischen "sein" und "existieren" gibt (Wie in der zeitgenössischen Kunst gibt es in diesen philosophischen Gefilden keine Maßstäbe.

Leben zu dritt in einer Zelle

Hinter den Gittern der Strafanstalt von Werl läßt das Düsseldorfer Justizministerium seit Monaten jeweils drei Gefangene in Zellen von 11,5 Quadratmetern zusammenpferchen.

Buntstift-Strategie

Bayerns Politiker liefern sich in diesem Wahlkampf einen verwirrenden Farbkampf. Zum erstenmal in ihrer Geschichte zwangen die bayerischen Genossen das traditionelle Rot aus ihrem Werbefeldzug raus und Blau rein.

...Verfassungsfeindin

Seit fünf Jahren kämpft in der nördlichsten Stadt Schleswig-Holsteins, in Flensburg, eine junge Frau um ihre deutsche Staatsangehörigkeit.

Für Patrioten ohne Probleme

Der Titel der amerikanischen Parallelausgabe ist nicht minder anzüglich: "Der Staat, der aus der Kälte kam". Der Verfasser wirkt als außenpolitischer Korrespondent für Englands liberales Top-Blatt, den Guardian.

Maoistische Erbauungsliteratur

Wahrscheinlich ist es nicht leicht, Sohn so berühmter Eltern wie Alva und Gunnar Myrdal zu sein. Jan Myrdal hat sich jedoch selber einen Namen erworben, vor allem durch seinen "Bericht aus einem chinesischen Dorf" (deutsch 1966) – einer Dokumentation, die wie keine zweite die Schicksale einfacher Menschen im Ablauf der chinesischen Revolution anschaulich macht.

Wenn Politiker feilschen

Vor gut einem Monat, auf dem Bonner Weltwirtschaftsgipfel, stellten sich die Bundesregierung und vor allem der Kanzler so dar, wie man es im Ausland erwartet und, zugegeben, auch im Inland ganz gern sieht: stark, das Wort führend, effizient.

Zu neuen Kassen

Am Dienstag dieser Woche war es soweit. Nach monatelangen Verhandlungen auch mit ausländischen Schiffbauern gab der Aufsichtsrat der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd grünes Licht für den schlagzeilenträchtigsten zivilen Neubauauftrag, den eine deutsche Werft seit langem gebucht hat: Als Ersatz für das betagte Hapag-Passagierschiff "Europa" soll bis 1981 ein neuer deutscher Luxusliner entstehen – für gut 150 Millionen Mark.

Springen sie?

Es geht um den "kleinen" Airbus mit 200 Sitzen, genannt A 300 B 10, der 1983 fliegen soll. Von dem "großen" Airbus (250 Sitze) waren die Briten abgesprungen.

Die Ballade vom Zauderer

Hektische Kurssprünge beim Dollar haben in der letzten Woche das Geschehen auf den Devisenmärkten bestimmt. Besorgt fragen sich alle Beobachter, was sie von den amerikanischen Wechselbädern zu halten haben.

Vitale Interessen

Im deutschen Kreditgewerbe ist ein Streit ausgebrochen. Der Anlaß: Eckart van Hoöven, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, hatte neue Wege zur Finanzierung von Eigenheimen bis zu hundert Prozent der Bau- und Bodenkosten vorgeschlagen.

Kleingeld

Se snappt di doch" – sie schnappen dich doch, vermuten die Werbeleute des Hamburger Verkehrsverbundes, die mit Plakaten in U- und S-Bahnen an das Gewissen der notorischen Schwarzfahrer appellieren; Aber auch dem durchaus zahlungswilligen Fahrgast wird die Entrichtung des "Entgeltes für die Beförderung" schwergemacht.

Bonner Kulisse

Andersdenkende werden, nun offenbar auch im Bonner Verteidigungsministerium, für das Minister Hans Apel verantwortlich ist, Pressionen ausgesetzt Jüngstes Opfer ist Alfred Mechtersheimer, Dozent an der Bundeswehrhochschule München.

EG-Agrar politik: Angriffe auf ein Tabu

In der Agrarpolitik das Undenkbare denken" – so wollen die Regierungschefs der neun Länder der Europäischen Gemeinschaft (EG) den lawinenartig wachsenden Kosten für das "Grüne Europa" zu Leibe rücken.

Arbeitszeitverkürzung: Mit der Nase vorn

Dem alten Sprichwort "klein, aber oho" macht sie alle Ehre: die Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG). Sieht man allein auf ihre Mitgliederzahl, dann findet sie sich mit rund 240 000 Organisierten innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erst unter "ferner liefen".

Frankreich: Ein Ende mit Schrecken

Das also ist das traurige Ende des Baumwollkönigs Marcel Boussac: sein berühmter Rennstall in den Händen des Aga Khan, seine Zeitung L’Aurore von einer Handvoll regierungshöriger Wirtschaftskapitäne übernommen, sein marodes Textilimperium von den vier Gebrüdern Willot aufgekauft – jenem dubiosen Kleeblatt, das im Mai 1974 und im Februar 1976 wegen Bilanzfälschung, Mißbrauch von Gesellschaftsmitteln, Unterschlagung und ähnlichen Delikten zu einigen Jahren Gefängnis mit Bewährung verurteilt wurde.

Börsen-Report: VW-Aktie auf Höhenflug

Selten ist eine Kapitalerhöhung so gründlich vorbereitet worden wie die des Volkswagenwerkes. Der Vorstand schickt ihr ein Feuerwerk von Erfolgszahlen voraus – und in Börsenkreisen wird behauptet, daß er in den vergangenen Wochen auch den Kurs der VW-Aktie in seine Obhut genommen hat.

Zurück zu den Fliesen

Als Nikolaus Fasolt Amt und Würde des BDI-Präsidenten übernahm, beschrieb er die Rolle des deutschen Unternehmers so: Er sei "der eigentliche Neuerer der Gesellschaft" und "Träger des Fortschritts" schlechthin.

Buch der Woche

Die Arbeitslosigkeit ist zu einem Dauerproblem geworden; die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist auch so widersprüchlich, die vorgeschlagenen Rezepte zur Überwindung der Arbeitslosigkeit sind so kontrovers, daß eine Orientierung, schwerfällt.

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