Wenigstens von einem seiner Stühle hat jeder einmal geträumt, vom "Lounge Chair", einem voluminösen Sessel aus Aluminium, stark geformtem Palisander-Sperrholz und gepolstertem Leder. Er ist so bequem wie teuer, kostet fast halb so viel wie ein kleines Auto und hat nicht zuletzt deshalb die schamlosesten Plagiatoren für die Kaufhäuser mobilisiert. Keine Kopie war, natürlich, dem Original mehr als äußerlich ähnlich und kein Entwerfer seinem Erfinder ebenbürtig. Er hieß Charles Eames; Ende voriger Woche ist er, 71 Jahre alt, in Kalifornien gestorben.

Tatsächlich waren es Möbel, die den gelernten Architekten und zugleich die Firma (Herman Miller), für die er entwarf, berühmt gemacht haben, Stühle, Sessel, Liegen vor allem. Was sie auszeichnete, waren erstens die in den vierziger Jahren neuen Materialien (Kunststoff, Aluminium, stark verformtes Sperrholz), waren zweitens die daraus abgeleiteten Formen. Eames’ Möbel waren keine geraden Gebilde mehr, sondern Skulpturen. So ist auch seine Antwortzu verstehen, die er, der nach Ansicht eines Kollegen "mindestens drei der wichtigsten Stuhlentwürfe des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffen" hat, einmal gegeben hat: "Fragen Sie mich nicht nach neuen Linien und Silhouetten. Mich interessiert mehr die Zweckmäßigkeit und die Art und Weise, wie Dinge sich in einem Raum präsentieren."

Die schönste Nebensache, die er gemacht hat, ist das "Wolkenkuckuckshaus", ein Bauspiel aus geschlitzten Karten, auf denen er den Spielern die unbekanntesten bekannten Dekors farbig vor Augen führte: Knöpfe, Streichhölzer, Fäden, Fassaden und so weiter. M. S.