Von Alexander Mayr

Lieber Freund, wir können schon etwas vereinbaren, aber wir haben zwei Regierungen. Ich kann nur für das Weiße Haus, nicht aber für das Capitol sprechen", pflegte der frühere amerikanische Finanzminister Fowler zu sagen. Und das gehe, sagte Ex-Superminister Karl Schiller neulich, für die USA auch heute noch. So weit hätte Schiller seinen Blick gar nicht schweifen lassen müssen. Ähnlich geht es bei einem der südlichen Nachbarn der Bundesrepublik zu.

Die Schweizerische Nationalbank in Zürich und die ihr formell vorgesetzten Behörden, das Berner Finanzministerium und die Gesamtregierung, werkeln gemeinsam an einer Schweizer Währungspolitik. Doch nicht immer ziehen sie am gleichen Strang. Selbst innerhalb des dreiköpfigen Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank herrscht keineswegs immer eitel Einvernehmen. Währungsfachmann und Präsident Fritz Leutwiler sitzt dort mit Pierre Languetin, früher Chef der Außenhandelsabteilung im Wirtschaftsministerium, und mit dem als Helvetiens Preisüberwacher bekanntgewordenen Rechtsprofessor Leo Schürmann zusammen, von dem böse Zungen behaupten, er sei mehr Politiker als Fachmann. Doch nicht genug damit: Zwei Seelen wohnen ach in Leutwilers Brust; die eine will den Wechselkurs, die andere den Geldwert stabilisieren.

Als der Höhenflug des Franken gegen Ende des letzten Jahres für Helvetiens Exportindustrie, die 40 Rappen von jedem Franken des Bruttosozialprodukts herbeischafft, ein bedrohliches Ausmaß annahm, verließ die Nationalbank den Pfad der Geldmengenstabilisierung. Von Ende Oktober 1977 bis Ende März 1978 entnahm sie nach Berechnungen des Neuenburger Professors René Erbe dem Devisenmarkt bei Interventionen Dollar im Gegenwert von sechs die Inlandsmenge aufblähenden Frankenmilliarden. Doch als das nichts half und neben dem Dollar, dessen Zerfall die Eidgenossen noch verschmerzt hätten, mit der Mark auch die Währung des Haupthandelspartners gegenüber dem eigenen Franken auf Talfahrt ging, packte Bern das kalte Grausen.

Anlageverbot ein Versager

Gegen die Stimme Leutwilers, wie Bankenkreise munkeln, verfügte Finanzminister Georges André Chevallaz Ende Februar ein Ausländer-Anlageverbot. Ausländern mußten die Banken nicht mehr nur auf den seit 31. Oktober 1974 100 000 Fränkli übersteigenden Kontenzuwachs einen konfiskatorischen "Negativzins" von zehn Prozent je Quartal abzwacken und in Bern abliefern; Nicht-Schweizern wurde jetzt auch die Anlage in Schweizer Aktien und Renten verwehrt. Bei Neuemissionen von Franken-Bonds ausländischer Schuldner gestand ihnen das Finanzministerium noch ein Drittel des gesamten Zeichnungsbetrags zu, was mit schöner Regelmäßigkeit zur Überzeichnung der Ausländertranche führte, derweil die Banken nicht selten auf einem Großteil der Inländertranche sitzen blieben.

Weil zudem fremde Notenbanken mittels Negativzins gezwungen wurden, ihre bei Schweizer Banken gehaltenen Frankenguthaben massiv zu reduzieren, verlor der Franken etwas an Terrain. Die Nationalbank besann sich wieder ihres Stabilitätszieles. Beim Kurs von rund 1,95 Franken verkaufte sie bis Ende Mai Dollar im Gegenwert von 1,3 Milliarden Franken. Der Devisenhandel bekam das in die falsche Kehle, und prompt schoß der Franken wieder in die Höhe.