Hörenswert

Cheap Trick: "Heaven Tonight". Gäbe es bei irgendeiner deutschen Rundfunkstation einen Rock ’n’ Roll-Quiz mit dem Motto "Erkennen Sie die Melodie?" wäre dieses Album ein ideales Rätselobjekt. Denn das amerikanische Quartett mit dem ironischen Namen "Billiger Trick", das sich mit seinem zweiten Album "In Color" den Ruf eingehandelt hat, Heavy metal-Beatles zu sein, mischte hier Melodien, Riffs, Vokal-Manierismen prominenter Sänger und Produktionstechniken von klassischen Rock-Songs, der sechziger Jahre so ingeniös, daß daraus ein akustisches "Who’s Who" von Britanniens Popmusik der Jahre 1965 bis 1971 wurde mit den Who, den Hollies, mit John Lennon und den Move als deutlichsten Vorbildern. Die verzinkten Zitate fördern allerdings keinerlei nostalgische Rührung, dafür sorgt die ironische Distanz, mit der hier über Teenager-Sehnsüchte und -Frust gesungen wird. Die letzte US-Band, die – Lennon hab’ sie selig – das genauso raffiniert praktizierte, waren die Raspberries mit ihrer hohen Kunst des perfekten Popmusik-Diebstahls. (Epic EPC 82 679)

Franz Schüler

"The Black & White Gospel Duo". Wer die beiden gehört hat, wird dem Domprediger Armin Kraft glauben, was er erzählt: daß das "zunächst ängstliche und zurückhaltende Publikum" im Braunschweiger Dom reagiert habe, wie es "bisher in norddeutschen Kirchen noch nicht erlebt wurde". Nicht nur habe es heftig applaudiert, sondern sei aufgestanden und habe enthusiasmiert mitgesungen. Angeregt hatte sie dazu dieses Gospel-Duo, das sind die Pretorianerin Audrey Motaung und der Hamburger Lars Wolf. Die Südafrikanerin hat eine im Jazz geübte Ausdrucksweise, ihr Partner fällt auf durch eine ruhige, volle, "schwarz" klingende Stimme. Was ihre Schallplatte auszeichnet, ist die auffallend differenzierte Art, in der sie die zehn Gospelsongs und Spirituals vortragen, zugleich wohlklingend und expressiv, sehr genau in der rhythmischen Pointierung wie in der Wahl der Tempi. (RCA PL 28317) Manfred Sack