Frankreichs "neue Ökonomen" predigen mehr Freiheit für die Wirtschaft

So einfach ist das: "Steigende Arbeitslosigkeit ist kein zwingendes Gesetz der Welt von heute. Sie bleibt nur dann eine Fatalität, wenn wir unsere Wirtschafts- und Sozialpolitik weiter auf überholten Theorien aufbauen." Nicht die Krise des Kapitalismus ist schuld an Entlassungen und Inflation, auch nicht irgendeine Krise der Marktwirtschaft. Die eigentliche Schuld trifft Wissenschaftler und Politiker, die dem Staat zu viel Einfluß verschafft haben – im guten Glauben an schlechte Theorien.

Dies ist das Credo der "neuen Ökonomen", einer Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern, die zur Zeit in Frankreich mit viel Wirbel ihre Ideen unters Volk bringen. Nach den "neuen Philosophen", von Marx und Mao abgefallene Denker, melden sich jetzt die "neuen Ökonomen" aus einer ähnlich konservativen Ecke zu Wort. Das Idol, das sie zu stürzen versuchen, heißt Keynes. Ihr Wunschbild ist der Kapitalismus – und zwar der von der harten Sorte.

In der Tat steht es um die Erkenntnisse des ehrenwerten John Meynard Keynes nicht gerade zum besten. Viele seiner einst treuen Jünger zweifeln an den Theorien ihres Meisters, weil sie sich in der gegenwärtigen weltweiten Krise als untauglich erwiesen haben. Bei der letzten deutschen Rezession vor zwölf Jahren hatte es Wirtschaftsminister Karl Schiller, ein Keynesianer reinsten Wassers, noch relativ leicht, mit den erprobten Rezepten die Konjunktur wieder munter zu machen. Doch diesmal scheinen sie nicht viel mehr zu taugen als ein kalter Umschlag gegen die Folgen eines Herzinfarkts.

Worauf ist dieser Mißerfolg zurückzuführen? Die "neuen Ökonomen" nennen drei Gründe:

  • Die Arbeitslosigkeit von heute ist nur Zu einem begrenzten Teil konjunkturell bedingt. Die Mehrzahl der Arbeitsplätze ist in den letzten Jahren durch Strukturverschiebungen in der Produktion verlorengegangen. Mehr Wachstum bedeutet also nicht zwangsläufig eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Wer die Wirtschaft anheizt, schafft auf jeden Fall Inflation, aber nur im besten Fall Arbeitsplätze. Da Inflation erfahrungsgemäß erneut Arbeitsplätze zerstört, ist die traditionelle Vollbeschäftigungspolitik à la Keynes nichts anderes als ein Teufelskreis.
  • Das generelle Ziel "Vollbeschäftigung" ist überholt. Viele Arbeitslose ziehen es nämlich vor, Stellenangebote auszuschlagen, weil sie mit Gehalt oder Arbeitsinhalt nicht einverstanden sind. Echte Unterbeschäftigung herrscht aber nur, wenn Arbeitslose die gebotenen Bedingungen gerne akzeptieren würden, aber dennoch keinen Job finden. Da dies heute kaum der Fall ist, bedeutet Vollbeschäftigung einen gewissen künstlichen Zwang zur Arbeit.
  • Die Probleme am Arbeitsmarkt sind auch die Folge übertrieben hoher sozialer Lasten und staatlicher Reglementierung der Unternehmer. Müßten die Arbeitgeber nicht zusätzlich zu den Löhnen noch enorm hohe soziale Abgaben zahlen, wären sie eher bereit, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Je mehr sich also der Wohlfahrtsstaat ausdehnt, desto stärker gefährdet er Arbeitsplätze. Auch hier existiert zudem ein Teufelskreis; denn je höher die Arbeitslosenzahl steigt, desto stärker muß der Staat die arbeitende Bevölkerung belasten, wenn die soziale Sicherung funktionieren soll. Das bedeutet wiederum eine Gefährdung der Arbeitsplätze.

Die Folgerung der "neuen Ökonomen" aus dieser Analyse: Wer – wie jetzt die Bundesregierung die Wirtschaft nach Keynesianischem Muster ankurbelt, wird das Beschäftigungsproblem nicht lösen. Dies ist nicht über mehr Wachstum, sondern allenfalls über stabile Preise und den schrittweisen Abbau des Wohlfahrtsstaates möglich.