ARD, Sonnabend, 26. August: "Plattenküche"

Ein Kronleuchter fällt von der Decke, und umgehend wird es dem Publikum auch wörtlich mitgeteilt: "Wir sind zurückgekommen!" Wir, das sind die Köche der "Plattenküche" und ihre Kellner, Helga Feddersen und Frank Zander. Und schon geht’s weiter mit Plattenhits, dargestellt von ihren (echten) Interpreten, und Sachen wie solchen: Ein Bubbelgum platzt und umhüllt einen Kopf; man drückt "Milch", und der Imbiß-Automat bietet ein Euter dar; man drückt "Brause", und das versteht er als Vorgang, nicht als Getränk; ein Toaster verzehrt Brot und reagiert paradox. "Das werden die Kritiker doch wieder zerfetzen", sagt einer und hat leider recht. Denn diese Plattenküche ist eine fade Küche, daran ändert auch das fabelhafte Revuebühnen-Interieur mit seinem wilden Flitter nichts.

Eigentlich bleibt unklar, was die Verfasser und der vom BBC ausgeliehene Fachmann für "Spezial-Effekte" mit ihren ziemlich gewöhnlichen Effekten wollen. Weder ist die Sendung wirklich parodistisch, noch ist sie wahrhaft lustig, sie ist nur furchtbar simpel: Eine Anzahl vorsichtig übertrieben präsentierter Schlager wird stetig unterbrochen durch ausgelaugte Gags und plumpe Sketche. Dabei könnte man sich doch vorstellen, daß die Sendung weniger überflüssig wirkte – beispielsweise durch einen Drehbuchverfasser, der sich besser auf die Kunst des Blödeins verstünde, durch Possenreißer, denen mal andere Slapsticks einfallen, denen zusammen es gelänge, mit ihrem Klamauk eine Beziehung zum Thema erkennen zu lassen, sagen wir: zur Plattenbranche. Auch den beiden, dem Genre verbundenen Schauspielern wie Helga Feddersen und Frank Zander merkte man an, daß sie mit kräftigerer Kost viel bessere Servierer sein könnten.

Manfred Sack