"Coma" von Michael Crichton beginnt wie ein üblicher Krankenhausfilm, der kritische Klinikreportage verbindet mit den Klischees einer Liebesbeziehung unter Medizinern (Geneviève Bujold, Michael Douglas). Doch dies "Grand Hotel" in Weiß wird bald so "schwarz", daß selbst die bösen Attacken von Paddy Chayevskys/Arthur Hillers "Hospital" sich dagegen harmlos ausnehmen. Denn Sinistres geschieht im Boston Memorial Hospital: junge Patienten erwachen nach harmlosen Operationen nicht aus der Bewußtlosigkeit und werden im Koma einem ominösen Institut überstellt. Eine junge Ärztin (Bujold) glaubt sich einer medizinischen "Watergate"-Verschwörung auf der Spur, stößt auf eine Mauer administrativen Schweigens und muß bald um ihr Leben fürchten. Daß "Coma" geradezu genüßlich schwelgt in exzessiv dargebotenen Details, vornehmlich aus der Pathologie, nimmt nicht wunder: nach dem Bestseller des Mediziners Robin Cook inszenierte der Mediziner, Erfolgsautor ("Andromeda") und Regisseur ("Westworld") Crichton diesen Film. Doch angestrengtes Bemühen um "Authentizität" ergibt noch keinen Thriller über alltägliche Paranoia. Jedoch – da bei dieser "mad scientist"-Version Cook & Crichton die verrückten Doktoren sind – ein Paradebeispiel filmischer Anästhesie-Methoden.

"Straße der Verdammnis" von Jack Smight In dieser kruden Kombination aus Katastrophen-Thriller und Science-fiction-Film scheint kassenträchtige Lkw-Mythologie bedeutsamer als utopische Phantasie. Denn nicht die Überlebenden des Dritten Weltkrieges (George Peppard, Ian-Michael Vincent, Paul Winfield, Dominique Sanda) sind die Stars, sondern die "Landmaster": zwei speziell zu diesem Zweck konstruierte Überlebensfahrzeuge. Sie bringen diese Gemeinschaft von Klischeefiguren nach gefahrvoller Wüstenfahrt und mancherlei Begegnungen mit Sandstürmen und radioaktiv bedingten Mutationen zu jenem Ort, wo (endlich) die Purpurfilter von der Kameralinse genommen werden und der Himmel wieder blau ist, das Gras wieder grün. Vielleicht sollte man von einer Verfilmung des (schwachen) Romans des renommierten SF-Autors Roger Zelazny – "Damnation Alley" im Original – nicht allzuviel erwarten. Doch es ist zumindest erstaunlich, daß selbst exzellente Drehbuchautoren wie Alan Sharp (Arthur Penns "Die heiße Spur") und Lukas Heller (viele Aldrich-Filme) nicht wenigstens einige Phantasie-Funken entfachen. Es liegt wohl an Jack Smight, der schon früher apokalyptische Visionen aufs Anekdotische reduziert ("Der Tätowierte", nach Ray Bradbury) und Katastrophen zu unfreiwillig komischen, wenn auch tricktechnisch brillanten Karikaturen machte ("Giganten am Himmel").

Helmut W. Banz

"Reise in die große Tartarie" von Jean-Charles Tacchella. Ein absurder Mord macht Alexis (Jean-Luc Bideau), eine Pariser Durchschnittsexistenz, zum Witwer, der mit einer aufgelesenen Gefährtin ziellos durch ein apokalyptisch verfremdetes Frankreich streunt. Der nach dem großen Erfolg von "Cousin, Cousine" jetzt nachgeschobene Erstling (1973) Tacchellas steht in der Tradition liebenswürdig-vager Zivilisationskritik, eng verwandt mit Claude Faraldos Anarcho-Späßen. Nur selten irrlichtert satirische Schärfe durch den recht lieblos photographierten Film. Andreas Meyer

Empfehlenswerte Filme

"Der kleine Godard" von Hellmuth Costard. "Floating" und "Lalai Dreamtime" von Michael Edols. "A. Constant" von Christine Laurent "Convoy" von Sam Peckinpah.