In diesen Tagen tritt in einigen deutschen Städten ein Musiker auf, der wie kein anderer die Avantgarde der Rock-Musik in den sechziger Jahren repräsentiert und auch heute noch Fans hat, die halb so alt sind wie er. Kein anderer auch hat in solchem Maße eine Brücke geschlagen zwischen Rock und des sogenannten E-Musik etwa eines Varese oder eines Cage, zwischen Pop und ambitionierter College-Poesie.

Frank Zappa: das Enfant terrible von einst erweist sich als besonders sympathischer und entgegenkommender Mann mit einem intelligenten Gesicht, in das sich der charakteristische Bart wie selbstverständlich einfügt. Die Haare trägt er hinten zu einem Schweif zusammengebunden; in seinem gestreiften Trikot sieht er aus wie ein amerikanischer Student, der sich zwischen zwei Vorlesungen im Campus auf den Rasen legt.

Vor zehn Jahren, fragte ich ihn, waren Sie so eine Art Symbolfigur dessen, was man Gegenkultur nannte. Gibt es noch so etwas wie Gegenkultur in Amerika? Würden Sie sagen, daß Sie immer noch solch eine Gegenkultur repräsentieren?

Zappa: Sie dürfen nicht vergessen, daß alles, was Leute in Europa über das Leben in den Vereinigten Staaten wissen, durch eine Marktquelle gefiltert wurde. Das ganze Konzept einer Gegenkultur war ein produziertes Medien-Phänomen. Ich glaube nicht, daß sie jemals existierte, das ist bloß ein Haufen Scheiße. Es mag heute Leute in den Vereinigten Staaten geben, die noch an dieses Zeugs glauben, aber ich nicht.

Vor zehn Jahren sagten Sie in einem Interview, man könnte die Welt mit Musik verändern, man könnte so etwas wie eine Jugendkultur aufbauen. Meinen Sie, daß Sie das erreicht haben?

Zappa: Ich glaube, es ist offensichtlich, daß die Welt durch Musik verändert wurde. Nicht gerade durch meine Musik, aber Sie können sehen, welch einen starken Einfluß die Musikindustrie auf die Vermarktung des Lebensstils auf der ganzen Welt hatte. Ich glaube, daß vieles, was als Resultat dieser Musikvermarktung in denletzten zehn Jahren passiert ist, negativ ist. Die Platten, die auf die Programme der Rundfunkstationen kommen und die am meisten gespielt werden, bewirken Veränderung. Da wir, im Gegensatz zu Disco oder was gerade populär ist, nicht häufig in die Programme kommen, üben die Dinge, die ich sagen möchte, keinen so großen Einfluß aus wie andere Formen der Musik.

Sie haben Disco erwähnt. Es scheint, daß heutzutage die Disco-Musik überhand nimmt. Wir haben hier solche Filme wie "Nur Samstag Nacht" und "FM" – was halten Sie von Disco-Musik?