Nach dem Auszug von zwölf westlichen Staaten hat die Genfer Weltkonferenz gegen den Rassismus ein Aktionsprogramm als Schlußdokument verabschiedet.

Stein des Anstoßes für die neun EG-Länder sowie Kanada, Australien und Neuseeland, die vorzeitig die Konferenz verlassen haben, waren zwei Abschnitte einer 27 Punkte umfassenden Schlußerklärung. Darin wird die "sich verstärkende Zusammenarbeit zwischen dem zionistischen Staat Israel und dem rassistischen Regime Südafrikas" verurteilt und Israel für die "rassische Diskriminierung der Palästinenser" verantwortlich gemacht.

Als Sprecher der EG-Länder äußerte der deutsche Delegationsleiter, Botschafter Per Fischer, sein "tiefes Bedauern", daß alle Bemühungen der Neun um eine "Aktionseinheit" gegen den Rassismus erfolglos geblieben seien. In Bonn erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes, die EG-Länder hätten sich nicht in der Lage gesehen, eine Abschlußerklärung mitzutragen, die Israel in den Vorwurf der Rassendiskriminierung einbeziehe.

Diese beanstandete Formulierung war in einem afrikanischen Entschließungsentwurf eingebracht worden, auf den vor allem die arabischen Länder gedrängt hatten und der auch die volle Unterstützung der Ostblock-Staaten fand.

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes wies demgegenüber darauf hin, daß die EG-Länder ihre Bereitschaft zur Teilnahme an der Konferenz davon abhängig gemacht hätten, daß sie von "sachfremden Elementen" freibleibe. Leider seien indes alle Bemühungen der Bundesrepublik und ihrer Partner, der Konferenz ihre ursprüngliche Zielsetzung der Bekämpfung des Rassismus zu erhalten, erfolglos geblieben.

Ein hoher EG-Diplomat sprach vor Journalisten gar von einer "mißlungenen Konferenz". Durch den Auszug der zwölf Delegationen sei man einen Schritt weiter gegangen, als "nur mit Nein zu stimmen". Diese Haltung der EG-Staaten müsse auch vor dem Hintergrund des kommenden Nahost-Gipfelgesprächs in Camp David gesehen werden: Man habe die Verhandlungsposition Israels nicht einseitig belasten wollen.

Die Vereinigten Staaten und Israel waren der Konferenz ganz ferngeblieben, um damit ihren Protest gegen die weiterhin gültige UNO-Resolution von 1975. auszudrücken, in der Zionismus mit Rassismus gleichgesetzt wird. Die Genfer israelische Botschaft bezeichnete demzufolge die Konferenz noch vor ihrem Abschluß als "skandalöses Beispiel".