Auch wenn man Waschzettel nicht zu ernst nehmen soll – es ist schon sehr mutig, wenn der Verlag das Buch von

G. V. Graf Zedtwitz-Armin: „... Ein Ruf wie Donnerhall“. Deutschenspiegel. Econ Verlag, Düsseldorf 1978, 485 Seiten, DM 32,–,

mit der Feststellung ankündigt, daß es sich hier um eine „umfassende Darstellung“ des Deutschlandbildes handle. „Sein Buch zeichnet, so objektiv wie möglich und so engagiert wie nötig, ein gültiges, neues Bild der Deutschen.“

Ich habe nichts gegen small talk, bin jedoch dagegen, wenn dieser über ein halbes tausend Seiten ausgewalzt wird. Da sagt schon Goethe (von dem der Verfasser meint, er werde „erst durch Champagner erträglich“): Getretner Quark wird breit, nicht stark.

Das sieht etwa so aus (alle Kapitel sind nach der gleichen Masche gestrickt!): „Wenn Sie demnächst vom Flughafen Ben Gurion International bei Tel Aviv nach München-Riem fliegen, so führt Sie die Route der LH 607 zunächst ein langes Stück, 1800 km, fast zwei Drittel einer Flugzeit von vier Stunden und fünf Minuten über die Luftstraße A 14, erst parallel der G 12 bis Rhodos, dann längs der R 19 östlich des Olymps...“ und so fort.

Aha, denkt man, eine Werbung für die Lufthansa? Wo wird dich der literarische Fluglotse denn hin- oder „herunterquatschen“? Der nächste Absatz bringt es an den Tag: „Auf dieser A 14 flog eines schönen Tages, oder war es nachts?“ Im Jahre 491 nach Christi Geburt der Erzengel Michael aus seiner Heimat Judäa in nordwestlicher Richtung. Wir wissen nicht, wie lange er für seinen Flug brauchte.“ Der Autor jedenfalls landet bald bei den Juden. Bei Michel, dem „Helden, Revolutionär und Tölpel“. Bei den Hexen. Beim Kyffhäuser. Bei Dekolleté und Unisex. „Ja, und dann – ein Lied, zwo, drei, vier – singen sie, die Germanen ...“ Das Potpourri wirbelt nur so dahin.

Auf Seite 436 – um die Kritik noch an einem anderen Beispiel festzumachen – ist die Rede von einem englischen Hotel, das deutsche Touristen erwartet, doch soll das Personal nicht vom Krieg sprechen. Dann ist die Rede von Bismarck. Dann von der deutschen Zersplitterung. Thomas Mann äußert sich. Angehängt ist ein Stückchen Medienkritik.