liberales Gesetz aus Angst vor Vergeltung

Von Jes Bau

Beim Kampf um Zins und Zinseszins stoßen US-Bankiers im heimischen Revier immer häufiger auf Wettbewerber mit zungenbrecherischen Namen wie Fuji Bank, Deutsche Genossenschaftsbank oder Westdeutsche Landesbank. Immer mehr Ausländer schicken ihre Emissäre los, um in der Neuen Welt eine Filiale zu eröffnen oder sich in eine amerikanische Bank einzukaufen. Allein in den zurückliegenden drei Monaten sind drei große US-Banken in fremden Mehrheitsbesitz übergegangen. Die New Yorker Marine Midland Bank wurde von der in Hongkong beheimateten Hongkong & Shanghai Bank geschluckt. Die britische National Westminster Bank kaufte die National Bank of North America auf, und die in Los Angeles seßhafte Union Bancorp verschwand im Magen der britischen Standard Charter Bank.

Die drei Aufgekauften sind allesamt größer als die European American Bank & Trust Co, die bisher größte amerikanische Bank mit ausländischen Eltern. An der European American, die 1974 aus der Asche der zahlungsunfähig gewordenen Franklin National Bank hervorging, sind die Deutsche Bank, die britische Midland Bank, die belgische Société General de Banques sowie deren französische Namensvetterin mit je etwa zwanzig Prozent beteiligt, während die Niederländische Amsterdam Rotterdam Bank rund siebzehn Prozent und die österreichische Creditanstalt Bankverein 2,6 Prozent besitzen. Trotz ihrer Beteiligung an der European American Bank und ihres fünfprozentigen Anteils an der Investmentbank UBS-DB Corp. fühlt sich die Deutsche Bank in Nordamerika offenbar noch unterrepräsentiert. Im Herbst eröffnen die Frankfurter im obersten Geschoß des feinen New Yorker Avon-Hochhauses ihre erste eigene Filiale.

Die meisten Ableger ausländischer Banken legen in den USA ein strammes Wachstum vor. Die Aktiva der Zweigstellen und Tochterbanken ausländischer Geldinstitute in den USA belaufen sich inzwischen auf etwa 96 Milliarden Dollar. Das ist zwar weniger als die Hälfte von dem, was amerikanische Banken im Ausland besitzen. Aber es ist fast viermal soviel wie das, was die ausländischen Banken vor fünf Jahren in den USA besaßen. Und dieser Trend setzt sich fort.

Schon jetzt hat die Präsenz der Ausländer die amerikanischen Bankiers gezwungen, ihre Geschäftspolitik zu revidieren. Sie kümmern sich jetzt beispielsweise weit mehr als früher um das Devisengeschäft. Und am ärgerlichsten: Auch bei den Zinsen müssen sie Abstriche machen, um ihre angestammten Kunden nicht zu verlieren. Dort, wo das große Geld winkt, bei den Industriekrediten, haben die Ausländer bereits fünfzehn Prozent des Geschäfts an sich gerissen.

Nicht etwa, daß amerikanische Industrie- und Handelsfirmen darauf erpicht wären, ihre bisherige Hausbank zu verärgern. Aber die messerscharf kalkulierten Zinsen der Ausländer sind oft unwiderstehlich. Traditionell verlangen amerikanische Banken von erstklassigen Kunden die für sie geltende prime rate, wobei von ihnen zusätzlich verlangt wird, einen bestimmten Mindestbetrag auf den Konten der Bank zu halten. Die Ausländer hingegen nehmen als Kalkulationsgrundlage die sogenannte London Interbank Offered Rate, auf die sie ein viertel bis ein Prozent draufschlagen. In den meisten Fällen kommen die amerikanischen Kunden bei dieser Kalkulation besser weg.