Von Cornelia Schmalz-Jacobsen

Was tun überhaupt die Weibsen in der Politik? – Nichts haben sie dort zu suchen. Wir haben genug gescheite, fähige und erfahrene Männer, die arbeitslos sind." – Diese in ihrer Logik erstaunlichen Sätze schrieb mir ein gewisser "Dr. B. W." einige Tage, nachdem meine Aussicht, in München Bürgermeisterin zu werden, endgültig gescheitert und ich das geblieben war, was ich seit 1972 bin: eine von achtzig Stadträten.

Der Schreiber – oder die Schreiberin? – blieb anonym wie fast alle, die ihr Mütchen kühlen wollen an einer Frau, die sich öffentlich zu einer wichtigen Wahl stellt.

Meine Partei, die FDP, hatte mich als (aussichtslose) Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters aufgestellt mit dem (nicht ganz aussichtslosen) Ziel, einen der beiden nachgeordneten, Bürgermeistersessel zu erobern.

Schlagartig, nachdem meine Kandidatur zum erstenmal in der Zeitung erwähnt worden war, bekam ich zu spüren, was es auch heute noch heißt, sich als Frau auf den politischen Präsentierteller zu begeben. Es bedeutet: Emotionen wecken; und zwar je exponierter die Kandidatur (oder das Amt), desto heftiger auch die Emotionen.

Schon die Befürworter, die sich freuen: "Endlich mal eine Frau!", und die ihrer häufig diffusen Hoffnung Ausdruck geben, daß durch eine stärkere Beteiligung der Frauen kalte Politik wärmer würde, lassen sich meist weniger von ihrem Verstand als von ihren Gefühlen leiten. Für die Gegner freilich trifft diese Feststellung um ein Vielfaches mehr zu.

Von der Ablehnung über unreflektierte Unterstellungen bis hin zu rüden Verwünschungen, handfesten Drohungen und nackten Beleidigungen reicht hier die Skala dessen, was Briefschreiber und – seltener – Anrufer von sich geben.