Die beiden Supermächte bemühen sich seit sechs Jahren um ein zweites Salt-Abkommen – bislang vergebens. Die Gespräche über Truppenverringerungen in Europa (MBFR) begannen im Jahre 1973, doch sie haben sich bisher nicht vom Fleck gerührt. Dafür haben sich die Waffen um so rasanter fortentwickelt.

Zwei neue Bücher geben Aufschluß über die stete Revolution in der Waffentechnologie. Ein Sammelband des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes

Sipri: "Tactical Nuclear Weapons: European Perspectives", Taylor & Francis, London 1978; 317 S., £ 10,50.

analysiert die Rolle und Risiken einer neuen Generation von taktischen Atomwaffen. Der bekannteste und umstrittenste neue Waffentyp ist die sogenannte Neutronenbombe mit einem erhöhten Ausstoß an tödlicher Strahlung, deren Produktion Präsident Carter vorläufig aufgeschoben hat. In der Zwischenzeit haben amerikanische Laboratorien ein exaktes Gegenstück zur Neutronenbombe entwickelt – eine atomare Schlachtfeldwaffe mit reduzierter Strahlung und erhöhter Sprengkraft, die gegen "gehärtete" Ziele eingesetzt werden soll. Ein dritter Typ soll weite Gebiete mit kurzlebigen radioaktiven Isotopen verseuchen, um den Vormarsch des Gegners zu verhindern.

Dies ist ein kritisches Buch, denn die Autoren glauben, daß die neuen "Mininukes" die Abschreckung eher unterminieren und damit den Atomkrieg in Europa wahrscheinlicher machen. Über diese These läßt sich nach wie vor trefflich streiten. Auf jeden Fall ist das neueste Sipri-Buch eine wertvolle Debattierhilfe, weil es neben den kritischen Beiträgen eine Fülle von Fakten, Zahlen und Hintergrundmaterial enthält.

Informationsreichtum ist auch die herausragende Stärke eines englischen Jahrbuchs

Royal United, Services Institute: Defence Yearbook 1977/78, Brassey’s Publishers Ltd., London, 430 S., £ 12,50.