Die BKA-Fahnder fielen im Odenwald ihrer eigenen Vorsicht zum Opfer

Von Hans Schueler

Es schien, als sei Horst Herold, der Präsident des Bundeskriminalamts, umgehend für die Panne seiner Fahnder bei der Observation des Terrorismus-Trios im Odenwald bestraft worden: Am Dienstag dieser Woche beschloß die Innenminister-Konferenz, daß künftig nur mehr der Bundesinnenminister, nicht aber – wie bisher – auch der Generalbundesanwalt und jedes Bundesland das Wiesbadener Amt mit der Verfolgung terroristischer Straftaten soll beauftragen dürfen. Diese Willensbekundung zieht indes Konsequenzen nicht aus der Hubschrauber-Affäre, sondern allein aus dem Höcherl-Bericht über die Ursachen jenes verhängnisvollen Kommunikationsfehlers, der vor fast einem Jahr die rechtzeitige Entdeckung des ersten Schleyer-Verstecks verhinderte und dem Arbeitgeber-Präsidenten vielleicht das Leben gekostet hat.

Diesmal war alles ganz anders. Der Fehler lag weder in der Organisation noch bei der verwirrenden Vielfalt potentieller Auftraggeber. Er lag im kriminalistischen Konzept selbst. Die drei meistgesuchten Terroristen Christian Klar, Willy Peter Stoll und Adelheid Schulz entkamen ihren Fahndern, weil die einfach nicht für möglich hielten, daß sich so hochkarätige Gangster in einem Hubschrauber auf Objektsuche begeben würden.

Ihre Mimikry war offenbar perfekt: Keiner der acht Kriminalbeamten, die ihnen anderthalb Stunden lang im Restaurant des Flugplatzes von Michelstadt gegenübersaßen, hat sie erkannt. Auch der Hubschrauber-Pilot Hans Schlauß, der sie – ausdrücklich um genaue Beobachtung gebeten – anschließend knapp zwei Stunden lang durch die Gegend flog, konnte nichts zur Identifizierung beitragen.

Die Hubschrauber-Pilotin Karin Rieger aus Koblenz hingegen behauptet jetzt, sie habe zwei Tage vor der Niederlage des Bundeskriminalamts in und um Michelstadt zwei Vernehmern eben dieses Amtes an Hand der ihr vorgelegten Photos einen unmißverständlichen Hinweis auf die Identität zumindest eines der Gesuchten gegeben. Die Beamten hätten den Wert ihres Tips auch erkannt: Jawohl, das sei ein gesuchter Terrorist, auf den 50 000 Mark Belohnung stünden.

Die acht Observanten des Bundeskriminalamts wären also, mit solch massiven Hinweisen auf mindestens einen von drei der Beteiligung am Buback-Mord, am Ponto-Mord und an der Entführung und dem Mord an Hanns Martin Schleyer Verdächtigten ausgestattet, von ihrem Chef Gerhard Boeden, dem Leiter der Abteilung Terrorismus, mit dem Auftrag losgeschickt worden: Erst einmal observieren, wenn möglich identifizieren und nur "eventuell" festnehmen. Oder, andere Möglichkeit: Boeden hätte gar nicht erfahren, was Karin Rieger ihren Vernehmern anvertraute.