"Der Jahrmarkt" von F. Schlotterbek (III.) und Karl Thienemann (Text); Neudruck der Ausgabe von 1843, Insel Verlag, Frankfurt a. M.; 70 S., 28,– DM

"Wo blühen wieder solche Rosen, wo leuchten solch rotbackige Apfel und Gesichter", fragt Hobrecker in seinem Buch "Alte vergessene Kinderbücher". Nun, die Farben sind da, etwas nachgedunkelt, leicht ölig wirkend auf dem vielleicht allzu weißen Papier der Neudrucke alter Kinderbücher, die Insel-Frankfurt mit Glück von Insel-Leipzig übernimmt "Der Jahrmarkt" ist ein Kompendium und eine Detail-Fundgrube zur Geschichte desselben. Da ist das Gedränge vor Guck-Kasten und Panorama, Menagerie und tanzenden Affen, das atemanhaltende Staunen von jung und alt angesichts der Künste des Jongleurs, des Seiltänzers, des Equilibristen und des Kunstreiters, da hat man Gelegenheit, mit einer frischgebackenen Waffel in der Hand beim Glücksspiel zu verlieren oder beim Ringspiel eine Freifahrt zu gewinnen. Die im Stil der Zeit immer moralisierenden Verse ändern nichts an der Augenfreude, die das Buch bereitet Die Kenntnis und Genauigkeit des Zeichners zeigen die uralten Jahrmarktskünste an einem geschichtlichen Punkt, als sie sich anschickten, ihre Unschuld zu verlieren und vom Handwerk zur Unterhaltungsindustrie zu werden. (Erscheint im Oktober)

Janas Frecot