Neue Strategien der Unternehmer gegen gewerkschaftliche Informationen

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Köln sieht rot und will nun nicht länger tatenlos zusehen, daß die deutschen Arbeitnehmer "einseitigem publizistischem Meinungsdruck" ausgesetzt bleiben. Die Klage des BDA: "Seit Jahren werden Millionen von Arbeitnehmern innere und außerhalb der Betriebe kostenlos mit Schriften beliefert, die entweder unmittelbar oder mittelbar gegen die unternehmerische Position und gegen die marktwirtschaftlich-freiheitliche Ordnung gerichtet sind." Konsequenz dieser Erkenntnis: Die Arbeitgeber rüsten zum publizistischen Gegenschlag.

Die Kölner Dachorganisation aller Arbeitgeber in der Bundesrepublik präsentierte ihren Mitgliedsverbänden jetzt ein Konzept "zur besseren informatorischen Versorgung der Arbeitnehmer mit überbetrieblichen Publikationen von eindeutig unternehmerischer und marktwirtschaftlicher Grundhaltung als Gegengewicht zu den Gewerkschaftszeitschriften und der Propagandaliteratur anderer Gruppen".

Bei der Gegensteuerung soll zum Teil auf schon vorhandene und bewährte Unternehmerschriften des "Instituts der deutschen Wirtschaft" zurückgegriffen werden. Schwerpunkt des gezielten publizistischen Kampfeinsatzes aber sollen bestehende Zeitschriften und Magazine sein, "die gezielt eine prounternehmerische Ausrichtung verfolgen und eigens zu dem Zweck gegründet wurden, den gewerkschaftlichen und anderen Druckinformationen publizistisch beziehungsweise politisch entgegenzuwirken".

Bislang sind diese Blätter zu selten in Arbeitnehmerhand gelangt, klagt der BDA. Einer der Gründe: Bei Kosteneinsparungen sei zu beobachten, daß Betriebe, die für ihre Mitarbeiter bereits eine Publikation beziehen, die Abonnements als eine der ersten Sparmaßnahmen kündigen. Weiter werden die Furcht der Unternehmer vor Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat wie auch die gesellschaftspolitische Gleichgültigkeit bejammert. Tenor der Spitzenleute in den Firmen sei: "Wir wollen als Management eine absolut neutrale Linie einhalten" oder "was bringt uns das schon ein; ob solche Publikationen einen Erfolg nach sich ziehen, läßt sich ja doch nicht feststellen".

Just das glaubt der BDA widerlegen zu können. Knapp ein Dutzend Blätter wurde einer Leser- und Wirkungsanalyse unterzogen. Es handelt sich um die Zeitschriften: "Magazin für Mitarbeiter – werk und leben", "Heim und Werk", "aktiv-Wirtschaftszeitung für Arbeitnehmer", "Wirtschaft am Wasser", "ZM-Zeitschrift für Mitarbeiter in der Metallindustrie", "Wir vom Bau", "Wir vom Holz", "Hand in Hand", "Steine und Erden" und "Schuh-und Lederpost". Die jährliche Gesamtauflage dieser Blätter erreicht immerhin die stattliche Höhe von rund 33 Millionen Exemplaren. Die Leseranalyse brachte laut BDA ein positives Urteil: "Alle diese Publikationen kommen bei den Arbeitnehmern und deren Familienangehörigen gut an."

Nach Vorstellungen des BDA sollen diese Blätter verstärkt eingesetzt werden. Dabei bleibt es den einzelnen Mitgliedsverbänden überlassen, welche Schriften sie nach sorgfältiger politischer und sachlicher Prüfung für die Mitgliedsfirmen und deren Arbeitnehmer als besonders geeignet weiterempfehlen.