Sie haben den Teddybär im Arm, wenn sie zum Startblock marschieren; und dann schwimmen sie, kaum 15jährig, so schnell, daß dagegen die "sagenhaften" Weltrekorde des berühmtesten Tarzans der Filmgeschichte, Johnny Weissmüller, wie harmlose Planschbeckenerfolge wirken. Das 15jährige US-Girl Tracy Caulkins zum Beispiel hätte mit ihren Leistungen von Berlin den legendären Schwimm-"Tarzan" der zwanziger Jahre geradezu deklassiert.

In keiner anderen Sportart sind die Teenager ihren männlichen Konkurrenten näher auf den Hacken als im Schwimmen. Und dabei gilt ganz allgemein: beim Schwimmen ist die Leistungsdiskrepanz zwischen "Männern" und "Frauen" am so geringer, je länger die Strecke ist. Das heißt, über 400 und 800 Meter sind die Frauen – und "Frau" ist gleichbedeutend mit "Teenager" – den Männern (prozentual gerechnet) näher als über 100 und 200 Meter. Gleichgültig, in welcher Disziplin.

Im Wasser also haben die Evas gegenüber den Herren der Schöpfung die meßbaren Disziplinen zugrunde gelegt – am eindrucksvollsten aufgeholt. Und dabei werden nirgendwo sonst im Hochleistungssport die weiblichen Rekorde so ausschließlich von 14- und 15jährigen Mädchen gehalten wie im Schwimmen.

Der gute Johnny Weissmüller stellte 1924 auf der 400-m-Kraulstrecke mit 5:0,42 Minuten jenen Rekord auf, den man damals für "sagenhaft", das heißt für kaum noch erreichbar, hielt. 1972, bei den Olympischen Spielen von München, schwamm Shane Gould, ein 15jähriges Mädchen aus Australien, die gleiche Strecke in 4:19,04 Minuten. Und in den Vorläufen der Schwimm-Weltmeisterschaften 1978 von Berlin waren gleich sieben Mädchen schneller als 1972 Shane Gould.

Die Leistungskurve im "Frauen"-Sport – und besonders im Schwimmen – steigt weiter steil in; und das besonders deshalb, "weil die körperliche Reife gerade der weiblichen Jugend sich immer weiter vorverschoben hat", wie die bekannte Sportpädagogin Annemarie Seybold feststellt. "Mädchen in diesem Alter verfügen über einen beträchtlichen Kraftüberschuß, und sie sind anstrengungsfreudig."

Keine Frage, ein Teenager mit fünfzehn unterwirft sich leichter dem für Rekordabsichten notwendigen Trainingspensum als eine Erwachsene mit zwanzig. Diese Erkenntnis hatten sich die Schwimmexperten der DDR, jahrelang mit dem größten internationalen Erfolg, zunutze gemacht. Sie hatten unter den Schwimmtalenten des Landes mit großer Sorgfalt ausgesucht und mit wissenschaftlichen Akribie dafür gesorgt, daß diese Talente auch entsprechend gefördert wurden. Krafttraining für Mädchen war so selbstverständlich wie für Männer. Und wie sehr man sich in der westlichen Welt auch immer über die muskulösen Rückenpartien der DDR-Schwimmerinnen mokierte, der Erfolg gab den DDR-Trainern recht.

Bei, den Olympischen Spielen von Montreal schwammen die DDR-Mädchen auf der höchsten Woge des internationalen Erfolgs. Von 13 möglichen Goldmedaillen errangen sie 11, wobei sie den Amerikanerinnen nur einen einzigen Sieg überließen. Zwei Jahre danach, bei den Weltmeisterschaften von Berlin, war’s umgekehrt. Die US-Girls sammelten Goldmedaillen en masse, für die – älter gewordenen – Schwimm-Asse der DDR blieben bestenfalls die zweiten Plätze. So schnell geht das.