Der konservative Raiffeisenverband liebäugelt mit dem roten Butterhändler Doumeng

Die Landpost", das grüne Wochenmagazin, Fach- und Familienblatt für Landwirtschaft und Garten mit Sitz in Konstanz, fragte unlängst ganz besorgt: "Schwenken die deutschen Genossenschaften jetzt nach linksaußen ab?" Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Gründer der ländlichen Genossenschaften zur Grünlichen Selbsthilfe, würde sich im Grabe herumdrehen, könnte er zur Kenntnis nehmen, auf was sich seine Nachfahren im Deutschen Raiffeisenverband eingelassen haben – auf eine Verbindung mit dem Klassenfeind.

Der Feind steht links und ist einer der schillerndsten Kommunisten Frankreichs, Jean-Baptiste Doumeng. Er ist Bürgermeister eines kleinen Dorfes bei Toulouse, Chef der Import-Export Gesellschaft Interagra und Spezialist für Agrargesetze mit dem Osten, insbesondere der Sowjetunion. Doumeng ist vielfacher Millionär, was Frankreichs KP-Genossen jedoch zu schätzen wissen.

Die Doumeng-Compagnie Interagra wurde mit dem Ziel gegründet, die internationalen Handelsbeziehungen des "Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften aus Südwest-Frankreich" zu fördern. Über die Gesellschaft wickelt Doumeng seine lukrativen Geschäfte ab. Die spektakulärsten – Getreide- und Butterverkäufe aus EG-Überschüssen an die Sowjetunion – brachten Doumeng wiederholt in die EG-Schlagzeilen.

In Frankreich wurde an Doumengs Ostgeschäften nie Anstoß genommen, weil der rote Wolf im kapitalistischen Schafspelz jedermann zufriedenstellte. Vor allem jene 150 000 Bauern und Winzer, die Kerntruppe der Doumeng-Genossenschaften, fanden ihre Interessen bei Doumeng stets gut aufgehoben. Und die Partei, als deren heimlicher Schatzmeister Doumeng gilt, kam auch nie zu kurz. Die Rede ist von beträchtlichen Summen, die Doumeng aus seinem Osthandel für die KPF abzweigte. Genaues weiß freilich niemand. Da Doumeng seinen Zahlungsverkehr über die Pariser Sowjetbank abwickelt, sind alle Transaktionen des Genossen vor den Augen der Öffentlichkeit bestens abgeschottet.

Was hat das alles nun mit den überwiegend rechts-konservativen deutschen Raiffeisen-Genossen zu tun? Eine ganze Menge: Der Landwirtschaftsausschuß des Internationalen Genossenschaftsverbandes, dem auch Raiffeisen angehört, gründete im vergangenen Jahr einen "Unterausschuß für Wirtschaftsfragen". Vorsitzender wurde der Franzose Jean-Baptist Doumeng. Und er entfaltete dort sogleich jene dynamische Aktivität, der er selbst den Aufstieg vom Kleinstbauern zum Umsatzmilliardär verdankt.

Doumeng schlug in dem Wirtschaftsausschuß vor, den internationalen Genossenschaftshandel stark zu straffen, um auf den Märkten ein echtes Gegengewicht zu den multinationalen Gesellschaften im Agrargewerbe zu bilden. Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet der Plan eine Unterordnung sämtlicher einzelnen Erzeugergenossenschaften unter eine Konzernspitze, deren Management Produktion, Verarbeitung und Vermarktung steuert.