Nach vier Wochen ist die portugiesische Regierungskrise zumindest formal beendet: Am Dienstag wurden 15 parteilose Minister und zwei Staatssekretäre eingeschworen, das Kabinett des parteilosen Alfredo Nobre da Costa: drei Offiziere und 15 Technokraten. Binnen zehn Tagen muß da Costa nun sein Programm vorlegen und die Billigung des Parlaments einholen. Die letzte Hürde wird er nur mit viel Glück nehmen: Außer Kommunisten links und Sozialdemokraten ganz rechts, die dazu bereit scheinen, müssen einige Abgeordnete des sozialistisch-christdemokratischen Zentrums mit "Ja" stimmen. Möglich ist es. Politik auf Portugiesisch ist noch immer für Überraschungen gut.

Freilich läßt sich eine kontinuierliche Politik – die Portugal so dringend braucht – auf solche Überraschungen nicht gründen. Der vergangene Monat stellt wahrlich kein Ruhmesblatt für Lissaboner Politiker dar: Sie waren nicht bereit, sich in der Verantwortung für die Demokratie auch ungeliebten Kompromissen zu unterwerfen. Ein Glück, daß der skrupulöse Generalspräsident die parlamentarischen Spielregeln ernster nimmt.

Die Hoffnung hat getrogen, es brauche nur materieller Hilfe des Auslandes, um das demokratische Experiment zu sichern. Zu den Auflagen des Finanziers muß künftig die drängende Mahnung der westeuropäischen Parteien an ihre portugiesischen Schwestern treten: Eine solche Krise darf sich nicht wiederholen – unabhängig davon, ob "linke" oder "rechte" Demokraten eine Koalitionsregierung bilden; alles zu fordern, hieße auch, alles zu gefährden. H. B.