Verteidigungsminister Hans Apel sagte am 26. August auf der Sicherheitspolitischen Informationstagung der SPD zu den Salt-Verhandlungen:

Wir wünschen diesen Verhandlungen im Interesse des Weltfriedens, im Interesse der globalen strategischen Parität, durchgreifende Erfolge. Zugleich sind wir in Konsultationen mit den USA darum bemüht, daß auch die Interessen der europäischen Nato-Partner bei Salt gebührend berücksichtigt werden. Dies erscheint uns notwendig, weil bei Salt nur über einen Teil des Abschreckungsverbundes der Nato-Strategie, nämlich über die nuklearstrategische Komponente der Nato-Abschreckung, verhandelt wird. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die beiden anderen Komponenten, die nukleartaktischen und die konventionellen Waffen in der sogenannten Triade, dem Dreierverbund der Nato-Strategie.

Abgesehen davon hat sich inzwischen ein neues Problem auf getan: die sogenannte "Grauzone". Zwischen den bei Salt verhandelten nuklearstrategischen Waffen und den Nuklearwaffen für den taktischen Einsatz liegt eine Zone nuklearer Waffen, die bislang in keine Rüstungsbegrenzungsverhandlungen einbezogen sind. Solche Waffen, vor allem mobile Mittelstreckenraketen der Sowjetunion, bedrohen Westeuropa unmittelbar. Wir haben dem nichts Vergleichbares entgegenzusetzen.

Die Waffensysteme dieser Grauzone bilden das nukleare Mittelstreckenpotential, das in Europa, nicht hingegen Ziele auf dem Territorium Nordamerikas abdeckt.

Dieses strategische Gewicht des sowjetischen Mittelstreckenpotentials wird heute noch durch die nuklearstrategische Überlegenheit der USA, die eine Überlegenheit an strategischen nuklearen Sprengköpfen ist, faktisch ausbalanciert. Aber die militärischen Faktoren, die diese Balance bestimmen, werden sich in den nächsten zwei Jahren entscheidend verändern. Es sind zwei gegenläufige Entwicklungstrends die für die Nato nachteilig werden können. Zum einen wird der amerikanische Vorprung an Sprengköpfen beim nuklearstrategischen Potential geringer werden Auch könnten auf längere Sicht die beiden Weltmächte nicht nur bei Trägermitteln, wie heute bei Salt II, sondern auch bei Sprengköpfen Parität aushandeln.

Auf der anderen Seite stärkt die Sowjetunion ihr Mittelstreckenpotentia weiterhin mit mobilen SS-20-Mittelstreckenraketen und auch mit Backfire-Bombern. Nach westlicher Einschätzung werden die Sowjets die Zahl der gegen Europa einsetzbaren nuklearen Sprengköpfe wesentlich erhöhen. Damit bauen sie ihre Überlegenheit beim Mittelstreckenpotential, das strategische Wirkung hat entscheidend aus.

Das Ziel der beiden Weltmächte, nuklearstretegische Parität zu erreichen und zu erhalten, führt dazu, daß regionale Disparitäten, Ungleichgewichte bei nuklearen Mittelstreckenpotentialen und be konventionellen Mitteln, für Europa geradezu strategische Bedeutung gewinnen