Daß Kernkraftgegner jede Gelegenheit nutzen, die Erzeugung von Atomstrom zu verhindern, ist ihr gutes Recht, solange sie sich selbst an Recht und Gesetz halten. So mag noch hinzunehmen sein, daß Studenten der Universität Bremen in der Nähe des betriebsbereiten, aber immer noch stilliegenden Kernkraftwerks Esenshamm (Unterweser) einen zweiten Wohnsitz suchen, um gegen das Werk klageberechtigt zu sein. Aber die vollständige Bezahlung der Stromrechnung deshalb zu verweigern, weil die Stromversorgungsgesellschaft Kernkraftwerke betreibt, geht denn selbst den deutschen Gerichten zu weit.

Dem Urteil des Amtsgerichts in Hamburg, das den "Interessenverband pädagogischer Forschungsobjekte e.V." auf Antrag der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) dazu verurteilte, den bisher auf ein Sperrkonto überwiesenen zehnten Teil der Stromgebühren plus Zinsen den HEW zu zahlen, kommt bundesweite Bedeutung zu. Denn überall im Lande gibt es Boykotteure.

Der Hamburger Amtsrichter schlug vor, gegen Kernkraft durch verringerte Stromabnahme zu protestieren. In der Tat, das wäre ein Weg, jedoch kein skandalträchtiger. Und darauf kommt es den Kernkraftgegnern nun einmal vorrangig. an. K. W.