Von Werner Dageför

Ferienziele wie Mallorca oder Sizilien, Irland oder Zypern erfreuen sich bei den großen deutschen Touristikunternehmen eines charakteristischen Beinamens – sie gelten als "typische Leihwagen-Inseln", weil eine ständig steigende Zahl von Flugtouristen auch am Ferienziel nicht auf die gewohnte individuelle Fortbewegung verzichten will und daher ein "Auto auf Zeit" mietet.

Wie viele es tatsächlich sind, ist kaum festzustellen, da die meisten Urlauber nicht vorbuchen. "Da läuft viel über Reiseleiter und Hotelportiers", hat man etwa bei Neckermann und Reisen (NUR) festgestellt, "weil die Kunden sich vor Ort Preisvorteile versprechen!" In der Tat sind die Tarife der lokalen Vermieter in der Regel wesentlich niedriger als bei den internationalen Verleih-Riesen wie Hertz (weltweit ca. 170 000 Pkw), Avis (130 000), Europcar/National (70 000) oder interRent (40 000).

"Es ist doch klar, daß ’ne Tankstelle an der Ecke, die ein oder zwei Autos stehen hat, billiger anbieten kann als wir", erläutert Hans-Ludwig Linn von der Frankfurter Autohansa-Zentrale, "die haben eben ganz andere Vorstellungen von der technischen Wartung eines Fahrzeugs." Doch erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen Klein- und Großvermietern sind nur selten festzustellen, denn auch die internationalen Leihfirmen offerieren keineswegs in allen Ländern gleich gute Autos. In vielen Staaten arbeitet man mit Lizenznehmern zusammen,, die gegen entsprechend saftige Bezahlung den bekannten Markennamen der Weltunternehmen benutzen.

Eine ständige Kontrolle dieser Geschäftspartner ist nur schwer durchzuführen. "Alles, was jenseits der Alpen ist", müsse eben mit anderen Maßstäben gemessen werden, hat Avis-Manager Horst Winckelhaus längst erkannt. "Da brennt schon mal eine Lampe nicht", und Beulen werden auch nicht immer sofort wieder beseitigt. Als es beispielsweise in Algerien mit der Qualität der Wagen immer mehr bergab ging, entschloß sich Avis, den Lizenzvertrag lieber zu kündigen, als weiterhin das in mehr als 30 Jahren aufgebaute Markenzeichen durch "schlimme Gurken" (Vermieter-Jargon) verwässern zu lassen. Autohansa zog sich ebenfalls zurück.

Gerade in den nordafrikanischen Urlaubsländern werden oft Leihwagen angeboten, die deutschen TOV-Ingenieuren die Mängellisten füllen würden. Während Hertz-Sprecher Kurt Schmic sich darüber freut, daß durchschnittlich nur jeder 100. Kunde eine Reklamation vorzubringen hat, scheint südlich des Mittelmeers die Leihwagen-Welt in Unordnung zu sein: "Aus Tunesien und Marokko erhalten wir sehr viele Beschwerden!"

Doch wenn es auch kaum gravierende technische Unterschiede gibt, so weiß man bei Avis einen wesentlichen Vorteil gegenüber der lokalen Billig-Konkurrenz zu nennen: "Wer mit unseren Autos beispielsweise in Spanien in einen Unfall verwickelt wird, zeigt nur seine Avis-Fahrzeugpapiere vor und muß dann nicht mehr viel befürchten, weil wir für alle Kunden eine spezielle Versicherung abgeschlossen haben!" Und das kann dort außerordentlich wichtig sein, denn iberische Polizisten fordern nicht selten – auch von eindeutig unschuldigen Wagenlenkern – drastische Kautionen und sind auch mit kurzfristigen Festnahmen nicht zimperlich, wenn bei dem Unfall jemand verletzt wurde. Ein Freibrief für wilde Verkehrsrowdies ist die Spezialversicherung dagegen keineswegs bei grob fahrlässigem Verhalten oder Trunkenheit am Steuer verliert sie ihre Gültigkeit.