Wo die Währungskrisen verschärft werden

Von Rudolf Herlt

Euromärkte – wenn es sie nicht gäbe, müßten sie erfunden werden. Aber Präsident Carter hätte ein leichteres Leben, wenn es sie nicht gäbe. Der Dollarkurs wäre zwar aus den bekannten Gründen auch gefallen, aber doch nicht so tief wie in diesen Wochen.

Auf den Euromärkten im engeren Sinne – also außerhalb der USA – tummeln sich gegenwärtig mehr als 400 Milliarden Dollar, und sie können ohne Schwierigkeiten nach Bedarf vermehrt werden. Gegen solch unvorstellbare Summen ist in der Währungspolitik kein Kraut gewachsen. Zentralbankiers brächten sich um Kopf und Kragen, wenn sie versuchen wollten, jede angebotene Dollarmenge aufzukaufen, damit der Kurs der eigenen Währung nicht zu hoch steigt. Sie würden dabei so viel Geld in die eigene Wirtschaft pumpen, daß sie den Stützungsversuch mit Inflationsimpulsen zu bezahlen hätten, die sie vor der eigenen Wirtschaft nicht vertreten könnten.

Wenn der Dollar aus Gründen, die in der amerikanischen Wirtschaftspolitik liegen, fällt, steigen die Besitzer der staatenlosen Dollar aus der amerikanischen Währung aus. Das sind Regierungen und halbstaatliche Institutionen, wie etwa Notenbanken, die in solchen Fällen ihre Reserven, die sie in Form von Dollar gehalten haben, in andere Währungen umtauschen. Das sind aber vor allem die Finanzchefs der rund 450 multinationalen Unternehmen in den USA, in Europa und Japan, die ihre flüssigen Mittel, so rasch es geht, in eine Anlage dirigieren, die Gewinn verspricht, zumindest aber keine Verluste verheißt.

Die auf den Euromärkten tätigen Banken sind so flexibel, daß sie durch einfache Buchungen rund um die Uhr und rund um den Globus das brachliegende Geld der Multis überall hinwandern lassen können. In Zeiten der Dollarschwäche sind im wesentlichen Anlagen in Yen, in Schweizer Franken und in Mark begehrt.

Die Flucht dieser staatenlosen Gelder – ein Prozent sind schon vier Milliarden – aus dem Dollar erzwingt einen Dollarkurs, der weit unterhalb jener Grenze liegt, die sich durch Kaufkraftvergleiche ausrechnen läßt (wie fragwürdig solche Berechnungen auch sein mögen). Umgekehrt treiben sie auch die Kurse der starken Währungen auf ein Niveau, das mit der Außenwirtschaftskraft jener Länder nur noch entfernt zu tun hat. Die Euromärkte sind die großen Verstärker der Währungskrisen.