Ein "Sozialprofil der deutschen Katholiken" hat die Politologin Traute Nellessen-Schumacher im Auftrag des Zentralkomitees der deutschen Katholiken erstellt. Dabei zeigt sich, daß der seit Jahrzehnten bestehende Ausbildungsrückstand der Katholiken gegenüber den Protestanten noch immer nicht aufgehoben ist. Wir bringen Auszüge aus dem kritischen Ergebnis-Katalog der Untersuchung (Siehe auch Seite 29):

Die Auswirkung dieses Ausbildungsrückstandes auf die sozialen Strukturen ist evident. Überall dort, wo eine höherrangige schulische Ausbildung als Zugangsbedingung vorausgesetzt wird, sind die Katholiken den besser ausgebildeten Protestanten und den Gemeinschaftslosen gegenüber im Nachteil. Unter den Freiberuflern, unter den Selbständigen mit den größten Betrieben, unter den Beamten des höheren Dienstes, unter den Offizieren und Generalen der Bundeswehr, unter den Angestellten der oberen, selbst unter denen der mittleren Führungsebene, unter den Angestellten ohne Führungsfunktion mit Hochschulabschluß sind sie weit von einer proportionalen Beteiligung entfernt. Sogar in der führenden Schicht der Arbeiterschaft bleiben sie anteilmäßig zurück.

Es liegt auf der Hand, daß sich dieses Faktum in vielfacher Weise negativ auswirken muß, denn in dem Umfang, in dem die Katholiken Führungspositionen nicht in angemessener Weise besetzen, begeben sie sich der Chance zur Mitwirkung bei der Gestaltung der Gesellschaft.

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Das Sozialgefälle der katholischen Bevölkerung schlägt sich in ihrer Einkommenstruktur nieder. Im Vergleich zu den Angehörigen anderer Konfessionen weisen die katholischen Erwerbstätigen das ungünstigste. Einkommensgefüge auf. Das gilt für das Nettoerwerbseinkommen ebenso wie für das veranlagte Einkommen.

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Es ist nicht nur ein Abbau des Ausbildungsdefizits, sondern – in zeitlicher Phasenverschiebung – auch ein allmählich sich vollziehender Abbau des sozialen Rückstandes der katholischen Bevölkerung absehbar. Ganz sicher wird diese Entwicklung in dem Ausmaß, in dem qualifizierte Ausbildung nur noch von der Eignung und nicht mehr von der Herkunft abhängt, auch die tradierte Mentalität einer geringeren Bildungsmotivation verändern. Dieser durch die Bildungspolitik des letzten Jahrzehnts ausgelöste Angleichungsprozeß wird aber angesichts des Spannungsfeldes von Bildung und Glauben, das Meinungsumfragen beider Kirchen offenlegten, neue Probleme aufwerfen, denen sich die Katholiken zu stellen haben werden.