So hoffnungslos verkrustet können die etablierten Parteien eigentlich nicht sein, wenn sie sich über die Verdrossenheit, die ihnen und der Politik entgegenschlägt, so viel Gedanken machen wie gerade in den letzten Tagen. Freilich schlägt dabei mancher Disput über alle sachlichen Bande hinaus, abgesehen davon, daß bei Gelegenheit auch gleich persönliche Rechnungen beglichen werden.

Das Paradebeispiel dafür liefert der Streit um Erhard Eppler, der nicht versteht, warum die FDP so wütig auf die "Grünen" eindrischt und sie dadurch fast überlebensgroß erscheinen läßt. Der baden-württembergische SPD-Vorsitzende hält den Versuch für klüger, sie, wie weiland Teile der APO, zu integrieren; und er schließt nicht aus, daß sie hier und dort auch einmal koalitionsfähig sein könnten.

Das freilich ist ein empfindlicher Punkt, besonders in diesen Wahlkampfzeiten und zumal bei der FDP. Also versicherten viele Sozialdemokraten den liberalen Verbündeten eilends, daß die SPD nicht etwa nach grünen Ufern Ausschau halte – allen voran und öffentlich Rainer Offergeld. Zugleich nutzte der Bonner Entwicklungsminister den Anlaß, um auch dem Kanzlernörgler Eppler eins auszuwischen, dessen südwestdeutsche SPD wohl kaum ein hohes moralisches Roß abgebe.

Diese Gegenattacke hat zwar Epplers Position im "Ländle" fürs erste eher gestärkt, aber auch gezeigt, daß er keineswegs der Herrscher aller sozialdemokratischen Schwaben und Alemannen ist. Schon denkbar, daß er 1980, nach wiederum verlorener Landtagswahl, einen Nachfolger erhält, etwa Forschungsminister Volker Hauff.

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Ein wenig grünen Hintergrund hat auch Kurt Biedenkopfs jüngste Unionsschelte. Die CDU als "Veto-Kartell", eine Union von Sonderinteressen, mit der Neigung, einander das Nachdenken zu verbieten, dazu international ziemlich im Abseits – der Professor liebt die rhetorischen Paukenschläge und sich als Mann an der Pauke. Aber er kann für sich in Anspruch nehmen, daß er schon immer getrommelt und seiner Partei in den Ohren gelegen hat, Sachkonflikte nicht nur taktisch und personell aufzulösen.

Ob sein neuestes Solo etwas nützt, steht dahin. In der Parteizentrale findet man es, natürlich, "abwegig". Ohnehin von Franz Josef Strauß genervt, zuletzt durch dessen ebenso launigen wie scharfen Brief an den Fraktionsgeschäftsführer Philipp Jenninger zum Dauerthema Oppositionsstrategie, ist das Bedürfnis nach Ruhe und Geschlossenheit groß. Vor wichtigen Wahlen kontroverse Debatten? Da hält man es lieber mit der Devise: nur keine falsche Bewegung.