"Gestern, am Morgen, bin ich ganz ruhig in die Sixtinische Kapelle zum Wählen gegangen. Nie hätte ich mir vorgestellt, was dann passierte. Als die Gefahr für mich begann, da flüsterten mir zwei Kollegen, die neben mir waren, Worte der Ermutigung zu. Einer sagte mir: ‚Nur Mut, wenn der Herr ein Gewicht auflädt, dann hilft er auch, es zu tragen‘. Und der andere Kollege sagte:,Haben Sie keine Furcht, in der ganzen Welt gibt es so viele Leute, die für den neuen Papst beten.‘ Als der Moment kam, habe ich akzeptiert.

Dann ging es um den Namen, denn sie fragen hier auch, welchen Namen man annehmen will. Und ich hatte darüber wenig nachgedacht. Ich meinte dann: Papst Johannes hat mich mit seinen eigenen Händen hier in der Peters-Basilika geweiht, dann war ich ihm, obwohl nicht würdig, nachgefolgt in Venedig auf dem Stuhl von St. Markus, in jenem Venedig, das immer noch voll ist von Papst Johannes. An ihn erinnern sich die Gondolieri, die Schwestern, alle. Aber Papst Paul hat mich dann nicht nur zum Kardinal gemacht, sondern einige Monate vorher hat er mich auf dem Landesteg der Piazza von St. Marco vor 20 000 Leuten echt rot werden lassen, weil er mir seine Stola um die Schultern legte. Ich bin noch nie so rot geworden. Andererseits hat dieser Papst in den 15 Jahren seines Pontifikats nicht nur mir, sondern aller Welt gezeigt, wie man liebt, wie man dient, wie man arbeitet und duldet für die Kirche Christi. Und deshalb sagte ich, daß ich mich Johannes Paul I. nennen werde. Verstehen wir uns recht: Ich besitze nicht die Sapientia Cordis (Herzensweisheit) von Papst Johannes und auch nicht die Bildung und Kultur von Papst Paul, aber ich bin auf ihrem Platz und muß versuchen, der Kirche zu dienen. Ich hoffe, ihr werdet mir mit euren Gebeten helfen."