Die Farce war perfekt: In eine Mischung aus Absurdität und repressiver Freundlichkeit begrüßten drei Sicherheitsbeamte am Flugsteig 4 des Flughafens Berlin-Tegel. den Mann, der zwar von der Freien Universität "summa cum laude" zum Dr. phil. promoviert worden war, der aber wegen seiner "gegen den demokratischen Rechtsstaat gerichteten Aktivitäten" seit 1972 Einreiseverbot für die Bundesrepublik hatte: Ernest Mandel, Philosoph, Hochschullehrer, Trotzkist. Zum Darmstädter Treffen des PEN-Club – dessen Mitglied er ist – durfte er noch 1977 nicht reisen. Für 31 Stunden, fein abgestimmt mit dem Flugplan, durfte er nun am 4. Juli 1978 in Berlin einfliegen – um auf einer Protestdemonstration gegen die Verhaftung Rudolf Bahros zu sprechen.

Solcher Maulkorb-Peinlichkeit wurde man sich nun in Bonn offenbar doch bewußt. Einen politisch Mißliebigen "ausnahmsweise" über die Schikanen gegen einen wenige Meter weiter wegen politischer Mißliebigkeit Eingesperrten als trojanisches Pferd an mittellanger Leine vorzuführen, das mochte Bundesinnenminister Baum nicht weiterhin als "Hohe Schule" der Diplomatie ansehen. Ab 25. August ist das Einreiseverbot für den in Frankfurt geborenen, von den Nazis vier Jahre durch die Zuchthäuser geschleppten und heute in Brüssel lehrenden marxistischen Wirtschaftstheoretiker aufgehoben. Der Minister hat ein Zeichen gesetzt, für das man ihm Dank schuldet. F. J. R.