Irgendwann, wenn der Geschmack sich im Mund verloren hat, wird die klebrige Masse ausgespuckt. Und irgendwo bleibt sie dann liegen. Auf dem Trottoir, im Bahnhofsrestaurant, im Klassenzimmer, oder wo auch immer der Kaugummi plötzlich nicht mehr schmeckt. Denn ’runterschlucken ist schädlich für den Magen. Und da liegt sie nun, die klebrige graue Masse und hat sich mit der Zähigkeit, die der Kaugummibranche zu eigen ist, selbst unter den Schuhsohlen argloser Passanten noch ausgedehnt.

Kaum eine Branche hat in den vergangenen Jahren so nachhaltig einen deutschen Markt aufgeblasen wie diegummi verarbeitende Süßwarenindustrie.

In der Bundesrepublik Deutschland ist das Kauen längst gesellschaftsfähig geworden; und in den Werbespots des Fernsehens wird dieser klebrige Artikel den immer noch zögernden Verbrauchern geradezu in den Mund gelegt, indem man ihm nun auch noch – "ohne Süßstoff" – ein zahnärztliches Gütesiegel (Kauen ist gut für die Zähne) verpaßte. Was einst als eine von den US-Soldaten eingeschleppte Unsitte galt, die bestenfalls von den "Halbstarken" mitgemacht wurde, hat mittlerweile alle Bevölkerungsschichten erfaßt. Man rechnet, daß sich heute über die Hälfte aller Bundesbürger von der Kaugummi-Industrie zur Kasse bitten läßt.

Damit ist das Wegwerfprodukt "Kaugummi" allerdings noch keineswegs bezahlt. Was den Kau-Boys und Kau-Girls so flott von den Lippen geht, bereitet der Stadtreinigung erheblichen Verdruß.

"Es würde uns Millionen kosten", sagt Rolf Schnitzbauer, Sprecher der Hamburger Stadtreinigung, "wollten wir die Gehwegreinigung auch noch auf die Beseitigung von Kaugummi ausdehnen. Denn Kaugummi bekommt man nur auf zweierlei Weise weg vom Trottoir: entweder durch Heißdampf, oder durch flüssige Kohlensäure, mit der das Kaugummi verspröden würde."

Beide Verfahren aber sind, zusätzlich zur Gehwegreinigung, die in Hamburg allein 18 Millionen Mark jährlich verschlingt, zu teuer für die Millionenstadt. Und so wartet man entweder auf jene ahnungslosen Passanten, die etwa in der Spitalerstraße auf dem Weg zum Hauptbahnhof die klebrige Masse unter den Schuhsohlen mitnehmen in eine andere Stadt; oder man wartet auf den winterlichen Frost, der die Kaugummi-Rückstände kostenlos "versprödet".

Beide Möglichkeiten sind, wie die Hamburger Stadtreinigung zugibt, "nicht besonders zufriedenstellend". "Vielleicht sollte man in der Werbung selbst noch gezielter als bisher darauf hinweisen, wie unhygienisch es ist, wenn Fußgänger-Wege zu Kaugummistraßen werden."