Mit einem offiziellen Protest hat Israelische Außenministerium die "beispiellosen Beleidigungen" zurückgewiesen, die der österreichische Bundeskanzler Kreisky in einem Interview mit der niederländischen Tageszeitung Trouw gegen den Ministerpräsidenten Menachem Begin angesprochen haben soll:

Ich mußte eine Niederlage nach der anderen von Seiten Golda Meirs und anderen einstecken. Jahrelang war es in der Internationale eine üble Sache, über die Palästinenser zu reden. Ich war der erste, der über Palästina sprach. Ich kann mich noch erinnern, wie Golda Meïr darauf reagierte: "Palästinenser? Wer ist das?" Ich kann mich noch erinnern, wie der israelische Außenminister a. D. Allon, den ich persönlich durchaus schätze, sagte: "Kreisky spricht von Palästinensern; wenn es die gibt, haben wir zwei Völker geschaffen!" Dies ist eine grenzenlose Arroganz, die die Juden bei sich selber niemals zugeben werden. Sie zeigt jedoch, wie über die Palästina-Frage geredet wird.

Ich bin kein heimlicher Erzfeind des Zionismus. Ich bin aber auch kein Zionist. Das Judentum stellt für mich eine religiöse Tradition dar wie der Calvinismus oder der Katholizismus. Ich sage dies, um hervorzuheben, daß mir diese Herkunft nicht unangenehm ist. Es gibt Menschen, die so vom Marxismus infiziert sind, daß sie glauben, daß man hier etwas verbergen müßte. Das ist absurd. Nur einer, der von den marxistischen Philosophien im umgekehrten Sinne beeinflußt ist, kann so denken. Diese Leute wollen am liebsten jedem einen Judenstern anhängen und bei jeder Gelegenheit tun, was die Nazis machten, nämlich das Besondere der Juden akzentuieren, etwas, was ganz und gar nicht wahr ist...

Diese Situation ist äußerst gefährlich, weil, obwohl die Kriegshandlungen sich ihnen entziehen, die Großmächte in bestimmten Situationen doch noch in diese Sache hineingezogen werden. Dies könnte zu einer Konfrontaition der Großmächte führen oder jedenfalls zu Spannungen, die in furchtbaren Gefahren für Europa enden werden. Es könnte das Ende der Entspannungspolitik bedeuten. Will man also als Europäer oder als Österreicher die Entspannungspolitik fortsetzen, dann muß man, wenn man dazu die Gelegenheit hat, einen Beitrag zur Pazifizierung des Mittleren Ostens liefern...

Er (Sadat) hatte aber mit einem politischen Kleinkrämer wie Begin zu tun, einem kleinen, aus Warschau stammenden polnischen Advokaten oder dergleichen. Sie sind so entfremdet, sie denken so skurril, diese Ostjuden, weil sie nie politische Verantwortung trugen. Sie sind gute Soldaten, doch das kann man schnell lernen. Das ist nur eine verfeinerte Form des Raubens. Sie vermissen die Subtilität dieser Politik. Sie machen sich unbeliebt. Die verhaßtesten Diplomaten sind heute die israelischen Diplomaten. Es ist unglaublich, sie brauchen noch hundert Jahre. Sie sind genauso schlecht wie die Afrikaner, die auch unverträgliche Menschen sind. Der Aberglaube, daß die Juden intelligent seien, ist Unsinn. Sie sind genauso dumm wie die anderen, nur manchmal mit mehr Vorurteilen belastet. Unter ihnen gibt es gewiß schlaue Leute, doch als Gesamtheit reagieren sie falsch.

Die Leute, die vom Groß-Israel träumen, vergessen ganz, daß noch kein einziger Staat in Protektoraten stehengeblieben ist. Schauen Sie nach Österreich oder dem britischen Imperium. Ein Reich, ein israelischer Staat mit einer großen Zahl von Arabern birgt eine enorme Sprengladung in sich. Nur wer von einer faschistischen Mentalität erfüllt ist, kann das nicht sehen. Man kann doch nicht glauben, daß es eine israelische Demokratie gibt, wenn die Araber Staatsbürger zweiter Klasse sind und gleichzeitig in einem Polizeistaat leben. Was immer auch geschieht, es muß ein Polizeistaat sein, geteilte Demokratien gibt es nicht.